CUM AUTEM OMNIpotens deus uirginem suam iam diu bonum II Tim 4,7Ungarii (Ungri)
Alamannia, provincia; Alemannien
Gallus
Waldrammus (Waltrammus), monachus et presbyter
Engilbertus (Engelbertus) abbas
Engilbertus (Engelbertus) abbas
Ungarii (Ungri)
Engilbertus (Engelbertus) abbas
Caribdis
Engilbertus (Engelbertus) abbas
Animaduerteres in ea esse intrepidi militis animum · et uelle pro
illius gloria omne subire periculum · Ps 89,2Engilbertus (Engelbertus) abbas
Als aber der allmächtige Gott wollte, daß seine Jungfrau, die schon lange ʻden guten Kampf kämpfteʼ, ihren Lebenslauf durch den Siegespreis des Martyriums beschließe, da schloß sich eines Mittags, als sie wie gewohnt die Psalmen betete, der Psalter von selbst. Ein Vorfall, über den man sich wohl wundern kann! Über den Psalter neigte sie ein wenig ihr Gesicht, und als der ʻkühle Schlafʼ ihr durch die Glieder rann, schlief sie ein wenig ein. In dieser kurzen Unterbrechung [ihres Gebets] wurde ihr von Gott enthüllt, daß im folgenden Jahr die Ungarn nach der Verwüstung Alemanniens an den Kalenden des Mai die Zelle des heiligen Gallus angreifen würden und sie für ihn den Tod erleiden werde durch Wunden, die diese ihr zufügen würden. Als sie aufwachte, war sie zuerst sehr unschlüssig, ob die Vision bekannt gemacht werden sollte oder nicht. Denn sie erwog, daß es über ihr Verdienst hinausgehe, etwas über die Zukunft vorauszusagen, aber sie dachte auch daran, daß Gott meistens seinen Erwählten auch durch Sünder ein Zeichen gibt, ʻdamit sie vor der Spitze des Bogens fliehenʼ, und sie fürchtete, wenn sie es verschweige, müsse sie sich für die Vernichtung derer verantworten, die sie durch ihre Kenntnis der Gefahr retten könnte. Schließlich zog sie aus der Überlegung heraus, daß ʻbei den Alten Weisheit istʼ, einen Mönch namens Waldram hinzu, den ich schon früher erwähnt habe, ein Mann von vorgerücktem Alter, und legte ihm ihre gesamte Vision dar bis auf das Martyrium, und wie sie schwanke, ob es verschwiegen oder bekannt gemacht werden solle. Daher habe sie ihn beigezogen, weil sie hoffe, in ihm einen Hafen des Rates für ihre Zweifel zu finden. Der aber meinte, nachdem er die ganze Sache in sich aufgenommen hatte, nach kurzem Überlegen, daß eine so allgemeine Gefahr auf keinen Fall verheimlicht werden dürfe. Obgleich er also den Rat gab, war er dennoch selbst nicht wenig geängstigt und bewirkte, daß die Angst zweier Leute nun die Angst vieler wurde, indem er dies alles dem Abt und den anderen Brüdern eröffnete.
Der Abt aber wunderte sich, als er das hörte, und schickte einige Brüder zu ihr, um einerseits die Angelegenheit genauer zu erforschen, zum anderen, damit sie mit ihr verhandelten, sie möge ihre Klause verlassen und sich an einen sichereren Ort bringen lassen, bis das Rasen der Heiden vorübergezogen sei. Aber ihr war nicht zu entlocken, was ihr Wille war; er solle selbst kommen und allein mit ihr unter vier Augen reden. Unverzüglich kehrten die Boten zurück und überbrachten ihrem Abt nichts Gewisses, außer daß die Jungfrau seine Anwesenheit selbst wünsche. Der lenkte eilends seine Schritte zu ihr, in der Hoffnung, er werde gerufen, um nach Entfernung der übrigen gleichsam als geheimerer Ratgeber ihres Auszugs [aus dem Reklusorium] ausersehen zu werden. Aber da sie durch Gottes Offenbarung schon Gewißheit besaß über den Tag, an dem er sie zu sich rufen würde, begann sie ihn mehr hinsichtlich der Besorgung der äußerlichen, das heißt der kirchlichen und häuslichen Dinge zu beraten, als hinsichtlich der Verlängerung ihres zeitlichen Lebens. Diese Ratschläge nahm er aufmerksam auf und wartete, ob sie auf das zu sprechen käme, was er selbst hoffte.
Aber als kein Wort über diese Dinge zu hören war und er schließlich wissen wollte, was sie vorhabe, begann er mit folgenden Worten: «Was die übrigen Dinge angeht, bin ich schon im Hafen, da das Schiff meines Plans durch die Ruder deiner Ratschläge vorangekommen ist; aber in der Frage, was aus dir werden soll, mühe ich mich noch mitten im Strudel der Charybdis». «Wegen meiner», sagte sie, «mach dir keine Sorgen; denn im Vertrauen auf die Hilfe Gottes ʻfürchte ich nicht, was ein Mensch mir antun könnteʼ. Wenn sie ʻmich wie Bienen umschwärmenʼ und lodern ʻwie Feuer in Dornenʼ gegen mich: ʻDer Herr ist meine Stärkeʼ und wird ʻmir zum Heilʼ. Da brach der Abt in Tränen aus und bat sie, ihm zu willfahren und herauszukommen: «Verwirre mich nicht», sagte sie, «ehrwürdiger Vater, mit den Tränen deines Mitleides; denn du weißt ohne Zweifel, daß was einmal im Geist gefaßt ist, nicht geändert werden kann, wenn die göttliche Gnade es nicht verschmäht zu helfen. Den Ort nämlich, den ich mit Hilfe Gottes gewählt habe, um gegen die Tücke des alten Feindes zu kämpfen, werde ich dann auch mit meinem Leibe bedecken, wenn der Geist zu dem, der ihn gab, zurückkehrt. — Du hättest bemerken können, daß in ihr der Mut eines furchtlosen Soldaten war und daß sie bereit war, alle Gefahren auf sich zu nehmen zum Ruhme dessen, der schon war, ʻbevor die Berge geschaffen wurdenʼ, und der unsere Zuflucht ʻin dieser letzten Weltzeit istʼ. — Da bewunderte der ehrwürdige Vater ihre Standhaftigkeit, empfahl sich ihren Gebeten und kehrte zum Kloster zurück. Da er aber eine Festung besaß, eine Meile vom Kloster entfernt, hielt er es für das Beste, sich und alles, was ihm gehörte, dort zu schützen, da die natürliche Befestigung des Ortes ihm das Vertrauen einflößte, er könne von niemand eingenommen werden, wenn es den Verteidigern nicht an Nahrung fehlte.
- z
- Res - digna deest C.↩
- a
- ex propalando corr. A.↩
- b
- se contritioni se C.↩
- c
- tamen - anxiatus in marg. suppl. C.↩
- d
- anxitatem A.↩
- e
- ea B C.↩
- f
- ita codd., fortasse pro munitum .↩
- g
- c supr. lin. A.↩
- h
- ex pre munere corr. B.↩