XXX

QUADAM IGITUR NOcte · uidit beata uuiborada somnium · beatum GALLUM · sordidis et scissis uestibus amictum · Cumque obstupescens inquireret ab eo · quid tegeret his figuris · audiuit illum se conqueri de ęcclesiasticarum rerum direptione · et populi sui contritione · et huius sceleris effectum prep. 484dicto duci alamannorum imponere · Post non prolixumr tempus · idem dux ad monasterium ueniens · confestim ab ea accersitus est · Quo ueniente · postquam eum de iniquitatiss perseuerantia ualde redarguit · exposuit ei uisionem per ordinem · hoc adnectens · nisi scissurę uestium sancti GALLI digna pęnitentia consuerentur · uitam eius in periculo constitutam fore · Ille autem cf. Mt 13,5 sqq.Mc 4,5 sqq.Lc 8,6 sqq. quasi semen cadens super petrosa · cum gaudio suscepit uerbum increpationis · a quo erat recessurus ut non habens radicem in tempore temptationis · atque sub iup. 485reiurando pollicitus est de praeteritis emendationem · et de talibus in posterum abstinentiam · Cui illa sic occurrens inquit · Probatio iuramenti tui · non diu differtur · Cęnobitę eiusdem uiri de quo nunc apud nos sermo est · tractantest qui mitigarent ferocitatem animi tui super ad eos pertinentia · disposuerunt te cum perfecto calice de aurou donare · Et nosti ut tam pauper locellus in tali munere exhauriatur · ad hoc quod nunc exterius a te uastatus ut dictum est dinoscitur · Quem calicem · si tibi cura sit reseruande uitę · p. 486 nequaquam presumas accipere · At ille quasi abhorrens eius dictis · iterando confirmat iuramenta · se non solum exinde de rebus sancti GALLI quid tale non v accepturum · sed etiam inrationabiliter eis utentibus omni studio contraire · In hac igitur sententia ab illa digressus · uenit ad monasterium · Susceptus est uero a fratribus ut scriptum est · Ben. Reg. 53,15terror diuitum exigit sibi honorem · ipse abbas nomine engilbertus w · eius tyrannidemx contremiscens · se credidit fugę · Cum autem in crastinum discessurus esset · fratres praemisp. 487sa benedictione · obtulerunt ei praedictum a beata uirgine munus ·

Quid nunc? Quid conaris? Nonne si accipisy fies periurus? Contine obsecro manus · Dic ut magne uirtutis hominem decet · Gratam duco fratres uestram clientelam · diues uoluntas gratior est munere · munus non sperno · tollens relinquo · Penitet me scelerum · fui praedo hactenus in seruos sancti GALLI · hinc potius oportet per me eius ęcclesiasticas res augmentari quam minui ·

Si scires frater inexuperabiles principum huius saeculi necessitates · nimirum huiusmodi suasiop. 488nibus parceres · Me enim Mt 8,9sub potestate constitutum · oportet tali munere in regis domini mei prodire obtutum · Creberrimi etiam militares apparatus · nolunt pauca adesse eorum sumptibus · atque danda largiter stipendia militibus · Preterea sunt excedentia numerum · quę persepe cogunt amicos huius saeculi transgredi iustitiam dei ·

Si uis amicus esse huius saeculi · quid mihi tunc tecum · cum constituaris inimicus esse dei? Perge perge · non adicio uerbum · Cerneres illum tot periuria non uereri · sed incunctanter utrasque manus in eius susceptionem p. 489 extendentem · Ut gratificatur · quotiens inter manus libratur · quam diuersi pretii a circumstantibus estimatur ·

Igitur inde se domum proripiens · uxori suae quęcumque beata uirgo ad eum locuta est per ordinem retexuit · eique calicem ostendit · Iamiam uero ad italiam in miliciam profecturus · rogauit eam ut illum sancto GALLO remitteret · si mors eius reditum praeoccuparet · III Rg 21; 22Sicque discessit in ramoth galaad · infaustus peruasor substantię naboth hiezrahelitę · experturus in eodem itinere dominum locutum esse per os micheę · Nam insperato in fop. 490ueam cecidit · et ita quasi quadam praesaga fine malorum de medio sublatus est · utpote in lacu ęternę miserię digna sua prauitate praemia accepturus · Matrona autem eius obitu comperto · calicem ut rogata fuit monasterio remisit · patenam uero lapidibus intextam pretiosis retinuit · cf. Act 5,1 sqq.o defraudatrix saffira · aliamque multo minorem pro illa dedit ·

Eines Nachts sah die selige Wiborada im Traumbild den heiligen Gallus in schmutzigen und zerrissenen Kleidern. Und als sie stutzte und ihn fragte, was er hinter dieser Erscheinung verberge, hörte sie, wie er sich über die Plünderung von Kirchengut und die Knechtung seines Volkes beklagte, und daß er die Ausführung dieses Verbrechens dem oben genannten Herzog der Alemannen vorwerfe. Nach kurzer Zeit kam derselbe Herzog zum Kloster und wurde sofort von ihr gerufen. Als er kam, tadelte sie ihn sehr wegen seiner Hartnäckigkeit im Unrecht und erzählte ihm ihre Vision der Reihe nach. Sie fügte hinzu, wenn nicht die Risse im Kleid des heiligen Gallus durch angemessene Buße wieder geflickt würden, schwebe sein Leben in Gefahr. Jener aber nahm ihr Scheltwort wie ein ʻSamenkorn, das auf felsigen Grund fälltʼ, freudig auf, von dem er bald wieder weichen sollte, da er keine Wurzel hatte für die Zeit der Versuchung, und er schwor unter Eid, sich gegenüber dem Vergangenen zu bessern und sich solcher Taten in Zukunft zu enthalten. Dem entgegnete sie: «Die Probe auf deinen Eid wird nicht lange aufgeschoben: Mönche des Mannes, von dem wir jetzt sprechen, haben sich überlegt, wie sie die Härte deines Wesens gegenüber ihren Angelegenheiten besänftigen könnten und haben beschlossen, dich mit einem vollendeten Kelch aus Gold zu beschenken. Und du weißt, daß ein so armer kleiner Ort durch ein solches Geschenk erschöpft wird, zumal, weil er jetzt wie gesagt bekanntermaßen weiter draußen von dir verwüstet wurde. Wage nicht, diesen Kelch anzunehmen, wenn dir dein Leben lieb ist!» Jener nun bestätigte, als ob er vor ihren Worten zurückschreckte, wiederholt sein Gelöbnis, daß er von nun an nicht nur nichts vom Besitze des heiligen Gallus annehmen, sondern auch denen, die unvernünftig davon Gebrauch machten, mit allem Eifer entgegentreten werde. Mit diesem Wort also ging er von ihr weg und kam zum Kloster. Von den Brüdern wurde er aber empfangen, wie geschrieben ist: ʻDer Schrecken der Reichen fordert für sich Ehrerbietungʼ. Selbst der Abt Engelbert erzitterte vor seiner Zwingherrschaft und begab sich auf die Flucht. Da dieser aber am anderen Tag wieder weggehen wollte, sprachen die Brüder den Segen und boten ihm das von der seligen Jungfrau vorhergesagte Geschenk.

«Was nun? Was zögerst du? Wirst du nicht eidbrüchig, wenn du annimmst? Laß die Finger davon, ich bitte dich; sprich, wie es einem Manne von großer Tapferkeit zukommt: ʻEure Gefolgschaft ist mir lieb, Brüder, aber ein reicher Wille ist höher zu schätzen als das Geschenk; das Geschenk verachte ich nicht, ich nehme es an und lasse es doch hier. Es reut mich meiner Untaten. Ich war ein Räuber bisher gegenüber den Knechten des heiligen Gallus. Daher muß ich eher sein Kirchengut vermehren als es schmälernʼ.»

«Wenn dir, Bruder, die unausweichlichen Pflichten der Fürsten dieser Welt ein Begriff wären, dann würdest du dir freilich solchen Rat sparen. Denn ich bin ʻeiner Macht unterstelltʼ und muß mit einem solchen Geschenk vor die Augen des Königs, meines Herrn, treten. Und auch die umfangreiche militärische Rüstung duldet nicht, daß nur Weniges für ihren Aufwand zur Verfügung steht, auch der Sold muß den Soldaten großzügig bezahlt werden. Und außerdem sprengen die Dinge jedes Maß, die häufig die Freunde dieser Welt zwingen, die Gerechtigkeit Gottes zu übertreten».

«Wenn du ein Freund dieser Welt sein willst, was habe ich dann mit dir zu schaffen, da du damit ein Feind Gottes bist? Mach nur so weiter, ich sage kein Wort mehr!» Man hätte sehen können, wie jener den Eidbruch nicht fürchtet, sondern, ohne zu zögern, beide Hände zur Entgegennahme des Geschenkes ausstreckt! Wie es ihm ausgeliefert wird, wie oft es in den Händen gewogen wird, welch unterschiedlichen Wertes es von den Umstehenden geschätzt wird!

Dann machte er sich von dort nach Hause auf, erzählte seiner Frau der Reihe nach, was ihm die selige Jungfrau gesagt hatte, und zeigte ihr den Kelch. Und schon im Aufbruch zum Krieg nach Italien bat er sie, ihn dem heiligen Gallus zurückzuschicken, wenn der Tod seiner Rückkehr zuvorkomme. So ging auch nach Ramoth in Galaad der, der sich am Eigentum des Israeliten Naboth vergriffen hatte [Achab], und mußte auf diesem Marsch erfahren, daß der Herr durch den Mund des Micheas gesprochen hatte. Denn unverhofft fiel er [Burchard] in eine Grube und so wurde er durch ein gleichsam vorausgesagtes Ende der Übel aus unserer Mitte weggenommen, um freilich im See des ewigen Elendes die seiner Schlechtigkeit angemessene Belohnung zu empfangen. Als seine Ehefrau aber von seinem Tod erfuhr, schickte sie den Kelch, wie sie gebeten worden war, dem Kloster zurück, eine mit kostbaren Steinen besetzte Hostienschale aber behielt sie zurück — o betrügerische Saphira! — und gab eine andere viel geringere für jene.

r
multum C.
s
suae add. C.
t
ex tranctantes corr. A.
u
de auro deest C.
v
non add. Boll.
w
egilbertus B; egibertus C.
x
tyrandinem A.
y
accipies C.