SĘPE MEMORATA uirgo Rachilda reclusa
Wiborada (Wiberada, Wiborat)
Rachilda reclusa
Wiborada (Wiberada, Wiborat)
Quid nunc Iezi
Non equidem miror · non enim ibi multum laborat admiratio · ubi
rerum fieri potest equiperatio · Baculo Wiborada (Wiberada, Wiborat)
Wiborada (Wiberada, Wiborat)
Bene dixisti domino tuo superueniente · defunctum reuixisse · ego
uero inquio Wiborada (Wiberada, Wiborat)
Paulus apostolus (pastor ecclesiae)
Eliseus
Wiborada (Wiberada, Wiborat)
Admirationem quam putaui equiperationem leuigare · mirabiliter frater in laude uirginis procedendo non solum mihi
augmentasti · uerum etiamn quod rarum est contradictorem reddidisti audip. 482torem tui
beniuolum · Sed quia Ex 12,10
Pareturq ·
Wiborada (Wiberada, Wiborat)
Rachilda reclusa
Rachilda reclusa
Die oft erwähnte Jungfrau Rachild erkrankte einmal und lag schwer krank in Verzweiflung um ihr gegenwärtiges Leben darnieder. Die heilige Wiborada aber rief eine ihrer Dienerinnen und übergab ihr ihren Stab mit folgender Anweisung: «Überbringe ihn meiner geistigen Tochter und sage ihr, sie solle es machen wie das Greisenalter, das drei Füße hat, und zu mir kommen.» Und als die Dienerin die Vorschriften der Herrin ausführte, ergriff die selige Rachild mit ausgestreckter Hand den Stab, und wie sie ihn ergriff, wurde sie gesund. Und sie erhob sich sofort und zeigte sich der seligen Wiborada.
«Wie steht es nun, Giezi? Ich sehe, du verziehst, aus was für einem Grund auch immer, die Miene. Du wunderst dich vielleicht, daß eine Kranke durch die Entgegennahme des Stabes der Jungfrau gesund wurde, da du daran denkst, daß durch das Auflegen des Stabes deines Herrn ein Toter nicht auferstanden ist und daß sie dich irgendwie in der Gnade der Wunderheilung übertrifft?»
«Ich wundere mich nicht; denn da braucht man nicht viel Verwunderung, wo ein Vergleich der Tatsachen angestellt werden kann: Eine Kranke erhob sich, als sie den Stab deiner Wiborada empfangen hatte; durch das Eintreffen meines Herrn aber wurde ein Knabe wieder lebendig. Und wie du auch selbst weißt, ist es weniger, eine Kranke zu heilen als einen Toten zu erwecken. Deshalb leuchtet mir nicht ein, daß das von Seiten Wiboradas größer sein soll.»
«Gut hast du gesagt, daß durch das Hinzutreten deines Herrn der Tote wieder zum Leben gekommen ist; aber ich halte dem entgegen, daß eine Kranke in der Abwesenheit Wiboradas nur durch den Empfang ihres Stäbchens gesund wurde. So wirkten auch in der Abwesenheit des Paulus seine Gürtel, die den Kranken aufgelegt wurden, heilend, und das war ein größeres Wunder, als wenn er selbst dazugekommen wäre und durch lange Gebete die Krankheiten vertrieben hätte. Du kannst, wenn es dir recht ist, zur Kenntnis nehmen, daß in diesem Punkt die Jungfrau größer ist, weil ihr Stab nicht geschickt wurde, um ein Wunder zustande zu bringen, und trotzdem schon durch seine Entgegennahme eines bewirkte; der Stab aber deines Herrn, der eben zu diesem Zweck von dir überbracht wurde, hat selbst durch langes Auflegen keine Wunderwirkung erzielen können. Aber wozu rede ich davon, daß durch das Auflegen des Stabes kein Wunder vollbracht wurde, da ja selbst der Herr des Stabes, als er dazukam, sozusagen nur mit Mühe und Verzug Erfolg hatte. Denn es steht geschrieben: ʻAls nun Eliseus in das Haus kam, siehe, da lag der Knabe tot auf seinem Bett. Da ging er hin, verschloß die Tür hinter sich und hinter dem Knaben und betete zum Herrn. Sodann stieg er hinauf, streckte sich über den Knaben, legte seinen Mund auf dessen Mund und seine Augen auf dessen Augen und seine Hände über dessen Hände und beugte sich über ihn, und der Leib des Knaben ward warm. Dann wendete er sich wieder weg und ging im Hause einmal hin und her, alsdann stieg er wieder hinauf und streckte sich über den Knaben, und der Knabe gähnte siebenmal und tat seine Augen aufʼ. Schließlich, da du besonders darauf beharrst, daß Wiborada keinen Toten auferweckt habe, während dein Herr das vollbracht hat, wie zu lesen ist: das steht dem schon bewiesenen Vorrang der Jungfrau nicht entgegen. Wie willst du denn wissen, daß sie keine Tote auferwecken kann, da sie, wie du siehst, eine Kranke geheilt hat? Oder zweifelst du, daß der, der durch das Verdienst seiner Jungfrau dies zu tun sich gewürdigt hat, durch dieselben Verdienste, wenn nötig auch noch Bedeutenderes zustande bringen kann?»
«Die Bewunderung, die ich glaubte, durch einen Vergleich mildern zu können, hast du, Bruder, auf wunderbare Weise dadurch, daß du so weit gegangen bist im Lob der Jungfrau, bei mir nicht nur noch vergrößert, sondern auch den Gegner, was sehr selten ist, zu einem dir gewogenen Zuhörer gemacht. Aber weil, ʻwas übrig bleibt, im Feuer zu verbrennenʼ ist, fordere ich dich mit großer Bewunderung auf, das, was noch über die Urteile Gottes verschwiegen ist, die ʻwie eine große Tiefeʼ sind, zu berichten, wenn es noch etwas über diese Jungfrau zu erzählen gibt, aber bitte, wenn du kannst, etwas, das den Ruhm meines Herrn nicht so sehr verdunkelt!»
«Ich will gehorchen.»
Wiborada aber begrüßte freundschaftlich Rachild, die zu ihr kam, nachdem sie einen Lobpreis vorausgeschickt hatte, und erklärte ihr, daß Glaube und Gehorsam ihr Erleichterung verschafft hätten. Nachdem sie aber viel Geistliches besprochen hatten, begann die selige Rachild zu bitten, jener Stab möge ihr von ihrer Mutter geschenkt werden, damit sie ihn als Pfand ihrer Liebe aufbewahre, solange sie lebe. Als sie das erreicht hatte und ihn bis ans Ende ihres Lebens aufbewahrt hatte, ordnete sie an, daß er nach ihrem Tode der frommen Mutter zurückgegeben und in ihr Grab gelegt werde.
- i
- ex meę corr. B saec. XV.↩
- k
- baculi C.↩
- l
- potuit coni. Boll.↩
- m
- equiperationem codd.; aequiparatione Boll.↩
- n
- deest C.↩
- o
- hortor ed. Goldast et Boll. .↩
- p
- deest C.↩
- q
- Paretur eras. (saec. XV?) B; deest Basil. D.I.18.↩