XXVI

QUĘDAM IGITUR MEcha genitrix effecta · cf. Sir 3,29adiecit peccatum super peccatum · infantem quem ex adulterio conceptum peperit · in uiuarium demergens · Sed deus omnipotens cf. Tb 3,22quem magis delectat nostra conuersio quam perditio · uoluit hoc scelus ei ad salutem manifestari · Itaque plebs fidelium contra tap. 468le nefas zelo iustitię armata · decreuit eam ad stipitem ligatam cute priuari · Cogito plebem cf. Sallust., Cat. 51,20-24istam cum gaio cesare de uerberibus sensisse · cum tale nefas eorum uindicta audio ab illa punisse · et etiam priusquam ultima sententia imponeretur quę subiungitur · Ad hoc etiam decretum est · ut circulum anni clauderet · omnibus festiuis diebus · passis crinibus · pedibusque nudis · in atrioa sancti magni stando · ut qui eius sceleris conscii contristabantur · illius poenitentiam videntes consolarentur · Postquam autem circulum anni in tali p. 469 poenitentia fideliter persistendo clausit · recogitans immanitatem reatus sui · eadem poenitentia sponte sua tamdiu se adhuc obligauit · donec beata uuiborada eam ad se uocauit · frenaque afflictionis iam laxanda esse indicauitb · puerum in refrigerio esse · Huic non erit dissimile · Iohannes Diaconus, Vita S. Gregorii II 44quod de traiani anima legitur · quia liberata sit ab inferno · gregorio dolente pro illo · Nam eius animam ab inferno ereptam · atque in paradysum collocatam esse · omnino incredibile uideretur · ipsa ueritate dicente · Io 3,5Nisi quis renatus fuerit ex aqua et spiritu · non potest p. 470 introire in regnum dei · Sed infernus hic per metonomiam dicitur · Donat., Ars gramm. III 6, ed. Keil, Grammatici latini t. 4, p. 400id quod continet pro eo quod continetur · sicut est I Sm 22,19 etc.percutere ciuitatem in ore gladii · cum populus in illa habitans percutiatur · tendens ad hoc · traianum a cruciatibus inferni refrigerium esse consecutum · non autem ex inferno eductum · Iohannes Diac., ib. Ualet enim anima et in inferno existere · et inferni cruciatus per dei misericordiam non sentire · sicuti unus gehennę ignis ualet omnes peccatores pariter detinere · sedc per dei autem iustitiam cunctos equaliter non ualet exurere · Nam uniuscuiusque quantum meruit culpa · p. 471 iusto dei iudicio tantum sentietur et poena · Sed tu deus noster memor humanę fragilitatis · noli ita districte intrare in iudicium cum seruis tuis · Ps 24,6Reminiscere queso potius miserationum tuarum domine · et misericordiarum tuarum quę a saeculo sunt · Liceat nos sperare in te cum propheta · Iob 30,24quia non ad consumptionem nostram emittasd manum tuam · et quia si in profundum inferni dimersi fuerimus · inde nos liberabis · Haec quę a nobis nunc breuiter ad te domine sunt singultata · confidentes apud tuam misericordiam nobis in perpetuum profutura · qui p. 472 Ps 55,9lacrimas prophetę in conspectu tuo posuisti · ad praedicandam uirginis tuę sanctitatem sermonem reflectimus · Postquam uero uuiborada meretricem frenis afflictionis absoluit · catenam cautelę ei innexuit · admonens eam · ut in posterum de tam nefandis sceleribus se custodiret · Mt 12,45ne ei nouissima peiora fierent prioribus · Ergo eius admonitionibuse admodum aedificata · in sanctitate et iustitia deinceps seruire deo studuit omnibus diebus uitę suae ·

Eine Dirne, die Mutter geworden war, häufte Sünde auf Sünde, denn sie ertränkte das Kind, das sie aus der Unzucht empfangen und geboren hatte, in einem Fischteich. Aber der allmächtige Gott, den mehr unsere Bekehrung freut als unser Verderben, wollte, daß dieses Verbrechen ihr zum Heil bekannt werde. Daher beschloß das Volk der Gläubigen, gegen ein solches Verbrechen mit dem Eifer der Gerechtigkeit gewappnet, daß sie an einen Pfahl gebunden und ausgepeitscht werde. Ich glaube, daß dieses Volk wie Julius Cäsar über Schläge gedacht hat, wenn ich höre, daß es ein derartiges Verbrechen mit der Strafe von Schlägen bestrafte, und zwar noch bevor man ihr das abschließende Urteil auferlegte, das nun berichtet wird. Es wurde nämlich zusätzlich beschlossen, daß sie den Rest des Jahres vollende, indem sie an allen Festtagen mit gelöstem Haar und nackten Füßen in der Vorhalle des heiligen Magnus stehe, damit die, die von ihrem Verbrechen wußten und darüber betrübt waren, durch den Anblick ihrer Buße getröstet würden. Nachdem sie aber den Kreis des Jahres vollendet hatte, indem sie treu in solcher Buße ausharrte, bedachte sie die Ungeheuerlichkeit ihrer Schuld und erlegte sich dieselbe Buße freiwillig solange weiter auf, bis die selige Wiborada sie zu sich rief und ihr bedeutete, die Zügel der Zerknirschung doch zu lockern: der Knabe sei am Ort der Ruhe. Dem scheint nicht unähnlich zu sein, was man über die Seele Trajans liest, nämlich, daß sie von der Hölle befreit wurde, weil Gregor um ihn trauerte. Denn daß seine Seele der Hölle entrissen und ins Paradies aufgenommen wurde, scheint ganz unglaubhaft, da die Wahrheit selbst sagt: ʻWenn einer nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem Geist, so kann er in das Reich Gottes nicht eingehenʼ. Aber Hölle ist hier als Metonymie gesagt, nämlich ʻdas, was den Inbegriff der Sache ausmacht für das, was inbegriffen istʼ — so wie man sagt: eine Stadt mit der Schärfe des Schwertes durchbohren, wenn das Volk, das in ihr wohnt, durchbohrt wird — und meint, daß Trajan von den Martern der Hölle Ruhe erlangt hat, nicht aber, daß er aus der Hölle herausgeführt wurde. Denn ʻdie Seele kann auch in der Hölle sein und die Qualen der Hölle durch die Gnade Gottes doch nicht spüren; wie das eine Höllenfeuer alle Sünder gleicherweise erfassen kann, aber durch die Gerechtigkeit Gottes nicht alle gleich stark brennen. Denn durch das gerechte Urteil Gottes wird eines jeden Strafe so gefühlt, wie er es durch seine Schuld verdient hatʼ. Aber du, unser Gott, gedenke unserer menschlichen Hinfälligkeit und gehe nicht so streng mit deinen Dienern ins Gericht. ʻGedenke, o Herrʼ, ich bitte dich, eher ʻdeiner Erbarmungen und deiner Gnade, die von Ewigkeit her sindʼ. Möge es uns gestattet sein, auf dich zu hoffen wie der Prophet [Job], daß du nicht zu unserer ʻVernichtung deine Hand ausstreckstʼ und daß du uns, wenn wir in der Tiefe der Hölle untergetaucht sind, daraus wieder befreist. Im Vertrauen darauf, daß dies, was wir dir, Herr, nun kurz unter Schluchzen vorgetragen haben, uns bei deiner Barmherzigkeit für immer hilfreich sein wird, der du des Propheten [David] ʻTränen vor dein Angesicht brachtestʼ, lenken wir nun die Rede zurück, um die Heiligkeit deiner Jungfrau zu preisen. Nachdem also Wiborada die Dirne von den Zügeln ihrer Zerknirschung befreit hatte, legte sie ihr die Kette der Vorsicht an und ermahnte sie, sich in Zukunft vor solch ruchlosen Verbrechen zu hüten, damit ihr nicht ʻdie letzten Dinge ärger als die erstenʼ geschähen. Also war sie durch ihre Ermahnungen soweit wieder aufgerichtet und bemühte sich von da an, in Heiligkeit und Gerechtigkeit Gott zu dienen alle Tage ihres Lebens.

a
atriis B C.
b
dicens add. C.
c
sed delevit B; deest C, Vad. 70, Sang. 610 et Basil. D.I.18 ; Eo loci sic legitur apud Iohannem Diaconum, Vita S. Gregorii II 44, Migne PL 75, col. 106.
d
emittis C.
e
-ni- supr. lin. A.