QUĘDAM IGITUR MEcha genitrix effecta · cf. Sir 3,29Caesar, Gaius
Magni ecclesia (basilica); St. Mangen
Wiborada (Wiberada, Wiborat)
Traianus
Gregorius
Iob (propheta)
David propheta
Wiborada (Wiberada, Wiborat)
Eine Dirne, die Mutter geworden war, häufte Sünde auf Sünde, denn sie ertränkte das Kind, das sie aus der Unzucht empfangen und geboren hatte, in einem Fischteich. Aber der allmächtige Gott, den mehr unsere Bekehrung freut als unser Verderben, wollte, daß dieses Verbrechen ihr zum Heil bekannt werde. Daher beschloß das Volk der Gläubigen, gegen ein solches Verbrechen mit dem Eifer der Gerechtigkeit gewappnet, daß sie an einen Pfahl gebunden und ausgepeitscht werde. Ich glaube, daß dieses Volk wie Julius Cäsar über Schläge gedacht hat, wenn ich höre, daß es ein derartiges Verbrechen mit der Strafe von Schlägen bestrafte, und zwar noch bevor man ihr das abschließende Urteil auferlegte, das nun berichtet wird. Es wurde nämlich zusätzlich beschlossen, daß sie den Rest des Jahres vollende, indem sie an allen Festtagen mit gelöstem Haar und nackten Füßen in der Vorhalle des heiligen Magnus stehe, damit die, die von ihrem Verbrechen wußten und darüber betrübt waren, durch den Anblick ihrer Buße getröstet würden. Nachdem sie aber den Kreis des Jahres vollendet hatte, indem sie treu in solcher Buße ausharrte, bedachte sie die Ungeheuerlichkeit ihrer Schuld und erlegte sich dieselbe Buße freiwillig solange weiter auf, bis die selige Wiborada sie zu sich rief und ihr bedeutete, die Zügel der Zerknirschung doch zu lockern: der Knabe sei am Ort der Ruhe. Dem scheint nicht unähnlich zu sein, was man über die Seele Trajans liest, nämlich, daß sie von der Hölle befreit wurde, weil Gregor um ihn trauerte. Denn daß seine Seele der Hölle entrissen und ins Paradies aufgenommen wurde, scheint ganz unglaubhaft, da die Wahrheit selbst sagt: ʻWenn einer nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem Geist, so kann er in das Reich Gottes nicht eingehenʼ. Aber Hölle ist hier als Metonymie gesagt, nämlich ʻdas, was den Inbegriff der Sache ausmacht für das, was inbegriffen istʼ — so wie man sagt: eine Stadt mit der Schärfe des Schwertes durchbohren, wenn das Volk, das in ihr wohnt, durchbohrt wird — und meint, daß Trajan von den Martern der Hölle Ruhe erlangt hat, nicht aber, daß er aus der Hölle herausgeführt wurde. Denn ʻdie Seele kann auch in der Hölle sein und die Qualen der Hölle durch die Gnade Gottes doch nicht spüren; wie das eine Höllenfeuer alle Sünder gleicherweise erfassen kann, aber durch die Gerechtigkeit Gottes nicht alle gleich stark brennen. Denn durch das gerechte Urteil Gottes wird eines jeden Strafe so gefühlt, wie er es durch seine Schuld verdient hatʼ. Aber du, unser Gott, gedenke unserer menschlichen Hinfälligkeit und gehe nicht so streng mit deinen Dienern ins Gericht. ʻGedenke, o Herrʼ, ich bitte dich, eher ʻdeiner Erbarmungen und deiner Gnade, die von Ewigkeit her sindʼ. Möge es uns gestattet sein, auf dich zu hoffen wie der Prophet [Job], daß du nicht zu unserer ʻVernichtung deine Hand ausstreckstʼ und daß du uns, wenn wir in der Tiefe der Hölle untergetaucht sind, daraus wieder befreist. Im Vertrauen darauf, daß dies, was wir dir, Herr, nun kurz unter Schluchzen vorgetragen haben, uns bei deiner Barmherzigkeit für immer hilfreich sein wird, der du des Propheten [David] ʻTränen vor dein Angesicht brachtestʼ, lenken wir nun die Rede zurück, um die Heiligkeit deiner Jungfrau zu preisen. Nachdem also Wiborada die Dirne von den Zügeln ihrer Zerknirschung befreit hatte, legte sie ihr die Kette der Vorsicht an und ermahnte sie, sich in Zukunft vor solch ruchlosen Verbrechen zu hüten, damit ihr nicht ʻdie letzten Dinge ärger als die erstenʼ geschähen. Also war sie durch ihre Ermahnungen soweit wieder aufgerichtet und bemühte sich von da an, in Heiligkeit und Gerechtigkeit Gott zu dienen alle Tage ihres Lebens.
- a
- atriis B C.↩
- b
- dicens add. C.↩
- c
- sed delevit B; deest C, Vad. 70, Sang. 610 et Basil. D.I.18 ; Eo loci sic legitur apud Iohannem Diaconum, Vita S. Gregorii II 44, Migne PL 75, col. 106.↩
- d
- emittis C.↩
- e
- -ni- supr. lin. A.↩