EODEM TEMPORE fuit in monasterio sancti Gallus
Uodalricus, Augustae
episcopus
Salomon [III.] Constantiensis episcopus
Wiborada (Wiberada, Wiborat)
Augusta; Augsburg
Zu jener Zeit war im Kloster des heiligen Gallus ein junger Mann mit Namen Ulrich, dessen gute Lebensführung sich durch die dort angewandte Regel der Disziplin [noch] verbesserte. Als er in der Blüte seiner Jugend an Tugenden mit der Würde der Alten wetteiferte, wurde er nach dem Heimgang des oft genannten Salomon von den Brüdern gebeten, die Mönchskleidung anzulegen, um Titel und Aufgaben ihres Hirten zu erben. Aber jener, wohl wissend, daß ʻalles mit Ratʼ ausgeführt werden muß, ging, wie er es in allem, was zu tun war, gewohnt war, zur seligen Wiborada, eröffnete ihr den Wunsch der Brüder und daß er, wenn es Gottes Wille sei, in allem deren Wünschen gehorchen wolle. Diese aber erbat sich eine Frist von drei Tagen und prophezeite nach deren Ablauf folgendes: «Weder Mönch noch Abt wirst du hier, weil der allmächtige Gott dich zum Bischof in einer östlichen Gegend ausersehen hat. Lange Zeit wird es dir dort gut gehen. Endlich aber wirst du viel Widriges von Heiden und schlechten Christen erdulden müssen, doch in alledem wirst du Sieger bleiben und dann in großer Ruhe, solange du noch lebst, dein Bistum lenken.» Dies alles erfüllte sich nach ihrer Ankündigung, wie das Buch seiner Taten einleuchtend bezeugt.
Daß dieses Geschenk der Prophetie ihr von Gott zugestanden war, sagt nicht nur diese Lesung, sondern bezeugen auch mehrere andere, wie denen, die das Büchlein lesen, deutlich wird. Eine Fortsetzung freilich hat uns der Wechsel der Zeiten nicht erlaubt. Einige Beispiele haben wir zum Nachlesen bei unseren Gewährsleuten belassen, als wie, daß sie durch den Geist erkannte, daß der Hahn das Füchslein besiegte, daß sie verlorene Schlüssel zeigte und die Ankunft von Gästen vorhersagte.
- m
- deest B C.↩
- n
- deest C.↩
- o
- uiuis codd.↩
- p
- in eo deest C.↩
- q
- completa B C.↩
- r
- perditos A.↩