EXACTIS AUTEM PAUcis diebus · Salomon [III.] Constantiensis episcopus
Gallus
Salomon [III.] Constantiensis episcopus
Salomon [III.] Constantiensis episcopus
Salomon [III.] Constantiensis episcopus
Georgii (Georii) cella in montibus
sita; Zelle bei St. Georgen
Alaricus, in quadam insula Turicini lacus
solitarius
Cur me Herimannus coenobita S. Galli
Mihi domine mi ut nulla uirtute predito loquenti uirtutes
discredunt · respersi uero dulcedine tuę sanctitatis · libentes tibi praebent
auditum · cf. Flavius Iosephus, Ant. Iud. XVIII 9Nam et maioris p. 437 potentię uisus Herodes Antipas, gener Aratae regis
Arates Aretas rex
Iohannes baptista
Pape · cessent obsecro grauia exempla · nam quamuis ad loquendum
confortent · nobis tamen minoribus multum est audire ad comparationem Mt 11,11Iohannes baptista
Alaricus, in quadam insula Turicini lacus
solitarius
Alaricus, in quadam insula Turicini lacus
solitarius
Gallus
Georgii (Georii) cella in montibus
sita; Zelle bei St. Georgen
Magnam sane ostendis Alaricus, in quadam insula Turicini lacus
solitarius
Paulus apostolus (pastor ecclesiae)
Laurentius
Elias propheta
Tuo frater arbitratu · nam scientia ueritatis terret Alaricus, in quadam insula Turicini lacus
solitarius
Wiborada (Wiberada, Wiborat)
Nach einigen Tagen schickte derselbe Bischof, als er zum Kloster des heiligen Gallus aufbrechen wollte, um das oftmals genannte Mädchen zu fragen, ob sie mit ihm reisen wolle. Da eilte jene sofort von großer Freude erfüllt mit zwei Mägden zum Schiff. Also erreichten sie mit einem für das Schiff günstigen Wind schnell das erwünschte Ufer. Der Bischof aber wurde, als er zum Kloster kam, von den Brüdern ehrenvoll empfangen; auch die Jungfrau, die ihm zu Fuß langsam folgte und gegen Sonnenuntergang am Ort ankam, wurde vom Bischof und dem ganzen Konvent freundlich aufgenommen. Der wohlwollende Bischof aber führte zwar seinen Plan ihr gegenüber nicht vollkommen aus; denn die oben erwähnte Vision gestattete ihm nicht, sie den Nonnen einzureihen. Aber damit sein Wille nicht ganz ohne Ergebnis bliebe, ordnete er an, daß man ihr neben der Kirche des heiligen Martyrers Georg eine Bleibe einrichte, damit sie dort für sich ein frommes Leben führen könne. Welche Enthaltsamkeit sie sich dort drinnen beinahe vier Jahre lang auferlegte, das auszusprechen ʻerscheint schwierig, da jeder, wenn man die große Tugend und den Ruhm guter Menschen erwähnt, das, was er sich selbst mit Leichtigkeit zutraut, ungerührt zur Kenntnis nimmt, was aber darüber hinausgeht, als ob es erlogen wäre, für falsch hältʼ. Laß also bitte lieber du dich vernehmen, Adalrich, Diener Gottes, sage, was das Haupt der Kirche dich einem seiner Glieder aufzutragen hieß.
«Warum zwingst du mich, Bruder, das zu versuchen, was du selbst ablehnst anzugehen, da du, wie ich vermute, jene Leute im Auge hast, die nach der Prophezeiung des Apostels ʻihr Gehör von der Wahrheit abgewandtʼ haben?»
«Wenn ich, mein Herr, spreche, dann nimmt man mir als einem, der keine Tugend besitzt, die Tugenden nicht ab; aber besprengt mit der Süße deiner Heiligkeit wird man dir gern Gehör schenken. Denn auch der Schwiegersohn des Königs Aretas [Herodes Antipas], der ganz beträchtliche Macht zu besitzen schien, ʻhörte den Täufer, den er als einen gerechten und heiligen Mann kannte, gern an; er tat auch vieles, wenn er ihn gehört hatteʼ.»
«Potztausend, verschone mich vor bedeutungsschweren Beispielen; denn wenn sie auch beim Reden nützen, ist es dennoch für uns Geringere schon viel, zum Vergleich vom Größten ʻunter den von Weibern geborenenʼ [Johannes dem Täufer] zu hören. Der Pöbel, der nicht in gebildeten Wendungen zu sprechen versteht, wagt auch nicht, den Thron des Tetrarchen zu besteigen. Wenn ich nicht die Verleumder in Betracht ziehen müßte — ich vertraue es in dieser Apologie beiderseits ʻsicheren Ohren anʼ — dann würde ich auch ohne solche Beispiele anerkennen, daß ich in der Schuld stehe, ihre Heiligkeit zu verkünden, weil der Herr mich als den ersten nach sich zum Eingeweihten ihres göttlichen Lebenswandels zu erwählen geruhte. Ich, Adalrich, der Geringste der Diener Christi, beschloß, um seines Namens willen, auf einer Insel des Züricher Sees [Ufenau] als Einsiedler auszuharren. Als ich mich nun dort niedergelassen hatte, wurde ich eines Nachts — wozu zwingst du mich, Bruder, über etwas zu sprechen, für das die Hörer mich unwürdig halten könnten! — durch einen Engel so angesprochen und ermahnt: «Wisse, daß beim Kloster des heiligen Gallus in einer in den Bergen gebauten Zelle eine Gott geweihte Jungfrau lebt, die in seinem Dienst treu ausharrt. Zu ihr schicke einen zuverlässigen Boten mit folgender Weisung: ʻJeder Baum, ob fruchtbar oder unfruchtbar, kann, solange die Wurzel mit lebendiger Erde bedeckt ist, im Saft stehen und sich mit Laub und Früchten schmücken. Aber wenn der Nährboden fehlt und die Wurzel entblößt ist, dann muß der Baum vertrocknen. Deshalb, du durch Gott Ermahnte: Verschone dich ein wenig vor allzu großer Enthaltsamkeit, damit du deinen ausgedörrten Körper ein wenig mehr als sonst stärkst und die Kraft hast, dich seinem Dienst und Lob noch mehr zu widmen!ʼ»
«Eine wahrhaft große Enthaltsamkeit der Jungfrau stellst du da vor Augen, Adalrich, wenn du sagst, Gott habe ihr gegenüber von Mäßigung geredet. Denn wie Paulus sich abgemüht hat, wie Laurentius [auf dem Rost] umgedreht wurde, das zeigt, daß er durchaus imstande ist, zuzulassen, daß seine Erwählten sehr geprüft werden. Aber auch dir fehlt es nicht an Zeugen: Da ist der Prophet [Elias], der unter dem Wacholder zweimal aufgefordert wurde, sich zu stärken; dann die Volksmenge, die drei Tage beim Herrn ausgehalten hat; und schließlich die ganze Menschheit, für die von der Erde das Brot hervorgebracht wird, damit es ihr auf der Reise dieses Lebens nicht an Wegzehrung fehle. Und wie, wenn man noch jenes Wunder als Zeugnis nimmt, du weißt: als der See, von dem du sprachst, so sehr von Brandung aufgewühlt war, daß mehrere Tage vergingen, bis einer wagte, ihn mit dem Schiff zu befahren; und als du, von Hunger beinahe ausgezehrt, zum Gebet Zuflucht nahmst, wie dir da eine Gestalt erschien und Brot und Wein unmittelbar über deinem Haupt schwebend zeigte, von denen erquickt du wieder zu Kräften kamst.»
«Deiner Entscheidung, Bruder, unterliegt die Sache nun; denn die Kenntnis der Wahrheit schreckt Adalrich ab, sich diesem Zeugnis zu widersetzen; die Unvollkommenheit seiner Verdienste jedoch rät ihm auch wieder davon ab, sie durch Behauptungen zu verkünden. Eher deine Aufgabe ist es, davon zu berichten, besonders weil es nicht wenig mit dem Ruhm deiner Wiborada zu tun hat.»
- a
- ri supr. lin. A.↩
- b
- cum C.↩
- c
- tractum C.↩
- d
- deest C.↩
- e
- georgii B C.↩
- f
- coni. Boll.; facto codd.↩
- g
- preceperit C.↩
- h
- ex arete corr. arate C.↩
- i
- ita codd.; summam scripsit Goldast; summi Boll.↩
- k
- nescimus codd.; nescius Goldast; nescium Boll.↩
- l
- congregationis B C.↩
- m
- et – obducere desunt B C et Basil. D.I.18 .↩
- n
- nullus Vad. 70, Sang. 610 et Goldast ; ullas Boll.↩
- o
- deest B C.↩
- p
- respicienda B C.↩