XV

AT CILIA t INUIDIOSE tumens contra uirginem propter p. 430 eius inoboedientiam · simul uerita sibi decrescere questum si diu ibi moraretur · demandauit episcopo · quod uellet cum illou secrete uerba miscere · Quo adueniente · postquam semotis cęteris multa perfide quasi fideliter de uirginev locuta est · etiam hanc sententiam subintulit · Compertam habeo uestram spiritualem uoluntatem erga eandem puellam · quod eam si uobis occasio datur uultis inserere alicubi choro sanctimonialium · quatinus tuta a mundiali fluctuatione · liberius in dei seruitio possit durare · Ad hoc etiam rescitum habeo uep. 431strum iter linthaugiam · eo loci si uos non alias trahit uoluntas consiliarer eius insertionem · tum quod conuersatio ibi ualde spiritualis est · tum quod promptior ei illic pateret ingressus · ubiw omnia uestro nutui parebunt · Presul autem hęc omnia de radice dilectionis procedere autumans · lętus effectus est · Et precipiens ratem armare · misit quendam de suis seruientibus beatę uirgini intimandum · ut sibi ad nauim eunti · expedita foret ad nauigandum secum ad prędictam insulam · Sed illa antequam episcopalis legatio uenisset · ingressa basilicam ·p. 432 oratura prosternitur coram quodam altari in honorem sancti GALLI consecrato · et sicut fuit uoluntas dei inter preces obdormiuit · et uidit oraculum necnon somnium · beatum uirum sibi uas sanguinolentum porrigentem · multis spurcitiis plenum · dicentemque sibi · Si ad locum ad quem episcopus te ducere cupit perueneris · hunc sordidum uictum manducabis · et sanguine Kerbirgę reclusę ibi inebriaberis · Cumque euigilasset et secum miraretur de somnio · offendit eam legatus in admiratione · Qui cum deposuisset ei mandata presulis · cf. Mt 27,14non respondit ei nec ad unum uerp. 433bum · sed dimisit illum abire sine affatu · Super quę admirans episcopus cum didicisset · misit alium et iterum alium · uirgine in eadem taciturnitate permanente · Episcopus autem continuo cogitans ei aliquid reuelatum esse · nauigationem suam peregitx · et ad urbem deo gubernante ipsa die prospere rediit · Cumque ad cęnam discumberet · non est oblitus prioris consuetudinis · sed omnia necessaria in cibis et potibusy uenerabili puellę · direxit · cilia iam tum penitus obliuioni tradita · Nam eius res exinde ita retro cęperunt uergere · ut post aliquaz annorum currip. 434cula · pelle eius simulatę sanctitatis detracta · etiam de clausula eliminaretur · procul dubio nutu dei · nolentis scilicet se a suis fidelibus diutius in Eph 5,5idolorum seruitute glorificari ·

Aber Cilia war neidisch und erbost über die Jungfrau wegen ihres Ungehorsams und fürchtete zugleich, ihr Gewinn werde geschmälert, wenn diese lange Zeit dort bleibe. Daher meldete sie dem Bischof, sie wolle mit ihm unter vier Augen sprechen. Nach seiner Ankunft — und nachdem die übrigen entfernt waren — sagte sie voller Heimtücke, aber unter dem Anschein der Zuverlässigkeit vieles über die Jungfrau, unter anderem auch folgenden Satz: «Ich habe von eurem geistlichen Plan hinsichtlich jenes Mädchens erfahren, nämlich daß ihr sie bei Gelegenheit irgendwo einem Nonnenchor einfügen wollt, damit sie, geschützt vor den Fluten dieser Welt, sich ungehinderter dem Gottesdienst widmen kann. Ferner habe ich gehört, daß ihr eine Reise nach Lindau vorhabt. Sie dort unterzubringen, würde ich, wenn ihr nichts anderes vorhabt, vorschlagen, einmal, weil man dort eine sehr geistliche Lebensführung pflegt, dann auch, weil ihr Eintritt dort rascher möglich ist, da dort alles nach euren Anweisungen geschieht.» Der Bischof aber meinte, das alles gehe aus der Wurzel der Liebe hervor, und freute sich. So ordnete er an, ein Schiff auszurüsten, und schickte einen seiner Diener, um der seligen Jungfrau mitzuteilen, sie solle sich, wenn er zum Schiff gehe, bereithalten, mit ihm zu der genannten Insel zu fahren. Aber jene hatte, bevor die Gesandtschaft des Bischofs eintraf, die Kirche betreten und lag vor einem dem heiligen Gallus geweihten Altar hingestreckt, um zu beten. Und wie es Gottes Wille war, schlief sie über ihren Gebeten ein. Da erschien ihr als Weissagung und Traumbild der heilige Mann, streckte ihr ein blutbesudeltes Gefäß voller Unrat entgegen und sagte: «Wenn du an den Ort kommst, wohin der Bischof dich führen will, dann wirst du dich von so unreiner Speise ernähren und vom Blut der Rekluse Kerbirg trunken werden.» Als sie erwachte und sich über den Traum wunderte, traf sie der Bote in diesem Zustand der Verzückung an. Als er ihr die Aufträge des Bischofs ausgerichtet hatte, erwiderte sie ihm kein Wort, sondern schickte ihn fort, ohne ihn angesprochen zu haben. Als der Bischof das erfuhr, wunderte er sich und schickte einen anderen, und dann noch einen dritten. Aber die Jungfrau verharrte in ihrem Schweigen. Darauf führte der Bischof im Glauben, sie habe eine Vision gehabt, seine Schiffsreise durch und kehrte noch am selben Tage, da er Gott als Steuermann hatte, glücklich zur Stadt zurück. Als er zu Tisch saß, vergaß er nicht seine alte Gewohnheit, sondern schickte alles Notwendige an Speisen und Getränken dem ehrwürdigen Mädchen. Cilia aber hatte er schon jetzt vollkommen vergessen. Denn für sie begann sich nun das Blatt zu wenden, so daß sie nach einigen Jahren, nachdem man ihr das Fell ihrer vorgetäuschten Heiligkeit abgezogen hatte, auch aus ihrer Klause entfernt wurde, ohne Zweifel auf einen Wink Gottes, der sich gewiß nicht länger von seinen Gläubigen im ʻGötzendienstʼ verherrlicht sehen wollte.

t
Et Cilia (corr. ex Cilica) C.
u
eo C.
v
de virgine desunt B C et Basil. D.I.18 ; in marg. suppl. Cod. Vad. 70 .
w
ibi B.
x
pergit C.
y
et in potibus B.
z
aliquot C.