EODEM TEMPORE fuit ibi quędam inclusa nomine Cilia reclusa
Iohannes apostolus
David propheta
Paulus apostolus (pastor ecclesiae)
Zu der Zeit lebte dort eine Rekluse namens Cilia, die aber nur ihren Körper, nicht ihren Geist eingeschlossen hatte. Denn sie hatte noch nicht die ʻGeldgierʼ abgetötet, ʻdie die Wurzel aller Übel istʼ. Die selige Jungfrau bat nun diese aus dem Glauben heraus, sie sei eine geistliche Mutter, sie möge doch vom guten Schatz ihres Herzens ʻein gutes Wort ausströmenʼ. Der Bitte folgten nicht nur Versprechungen, sondern eines Tages wurde sie sogar gerufen und stellte sich voller Vorfreude auf die Einlösung des Versprechens wieder ein. Jene öffnet das Fensterchen, und nach gegenseitiger Begrüßung sagt sie: «Du kommst daher, liebe Schwester, äußerlich im Kleid der Schafe. Aber uns ist aufgetragen, ʻden Geist zu prüfenʼ, wie der Apostel sagt, ʻob er aus Gott istʼ, bevor dir zum Beispiel die Geheimnisse unseres religiösen Lebens eröffnet werden. Gehorsam ist ohne weiteres der erste Schritt zur Demut, und ohne sie kann niemand Gott würdig dienen, denn sie wird auch den Opfern vorgezogen. Gerade indem ich dir solches auferlege, will ich dich prüfen.» Dabei zog sie ein Kästchen mit Münzen hervor und sagte: «Nimm dieses Geld, Schwester; ich habe es von vielen Leuten als Opfergabe bekommen und bis jetzt aufbewahrt. Verleihe du es an die Reichen in der Stadt auf eine gewisse Zeit, dann laß es dir mit Zins zurückzahlen.» Aber jene antwortete sehr verwundert: «Eine solche Anweisung erhielt der Prophet [David] nicht, als er nach der Vollkommenheit derer fragte, die im Tempel Gottes wohnen, oder derer, die ʻauf seinem heiligen Berge ausruhenʼ. Auch der Apostel [Paulus] droht den Zinsnehmern — oder ich sage besser: den Geizhälsen, denn Geiz ist ja nichts anderes als die Gier nach Geld — es gebe für sie, wie ich höre, ʻkeinen Anteil am Reiche Christi und Gottesʼ. Und er nennt sie nicht nur einmal ʻGötzendienerʼ. Die Gemeinschaft mit denen sei fern von mir! Außerdem wäre es fahrlässig von mir, so etwas anzufangen, denn ich verstehe nichts davon, über Schekel und Obolen im Wert so vieler Talente zu wachen; denn ein Geschäft dieser Art habe ich noch nie betrieben. Wucherer und Zinsnehmer kennen sich mit so einem Geschäft besser aus. Denen übergib diese Aufgabe!» Als jene aber ihre Gesinnung erkannte, sagte sie: «ʻEinen schlechten Klang gibt ein ungebrannter Krug aus feuchtem Ton, wenn man ihn anstößtʼ. Glaube mir: ohne Gehorsam ist dein Lebenswandel nichts wert. Deine Mühen kannst du dir sparen.» Nach diesen Worten trennten sie sich.
- m
- ita codd.↩
- n
- deest C.↩
- o
- est C.↩
- p
- supr. lin. C.↩
- q
- ita A B; pecunie C.↩
- r
- emisseᷤclas A B C!↩
- s
- ita A C; pecuniam ex prouintiam corr. B (saec. XV?); pecuniam Cod. Vad. 70, Sang. 610 et Basil. D.I.18 .↩