Hitto, frater S. Wiboradae
Wiborada (Wiberada, Wiborat)
Hitto, frater S. Wiboradae
Babylon
Babylon
Hierusalem; Jerusalem
Hitto, frater S. Wiboradae
Gallus
Magni ecclesia (basilica); St. Mangen
Derselbe Priester hatte schon von Jugend an wie der bekannte junge Mann aus dem Evangelium die Gebote für das Leben eingehalten, nur das allein, was, wie die Wahrheit lehrt, zur Vollendung noch fehlte, das hatte er bislang wie jener nur unwillig gehört. Aber die selige Wiborada, die sich im Geist schon aus den vergänglichen Fluten dieser Welt durch Entsagung erhoben hatte, wollte, daß auch ihr Bruder zum Hafen der ewigen Ruhe gelange, und sprach ihn folgendermaßen an: «Wie lange noch, liebster Bruder, werden wir durch unsere Liebe zum Zeitlichen auf den babylonischen Fluten hin- und hergeworfen? Gedemütigt sind wir hier ʻim Tal der Tränenʼ, wegen der Anmaßung unseres Stammvaters. Wenn wir das durch Übermut verlorene Vaterland wiedergewinnen wollen, dann müssen wir es durch Demut verdienen. Deshalb ermahne ich dich, mein Bruder, daß wir uns nicht von den Fluten dieses Babylon überspülen noch auf ihnen umhertreiben lassen, sondern ʻüber dem Wasser am Ufer sitzen und so unter Tränenʼ täglich unser Ende erwarten, damit wir durch den Schmerz unseres Herzens, der zu Gott hinaufsteigt, die Hilfe seiner Gnade verdienen und so über die Stufen der Demut ʻvon Tugend zu Tugendʼ steigen und unsere Füße Halt finden ʻin den Torhallen Jerusalemsʼ. ʻDenn wir wissen, daß diese unsere irdische Hütte abgebrochen wirdʼ. Deshalb müssen wir jetzt handeln, damit wir nach ihrem Abbruch ʻeinen Bau von Gott empfangen, ein nicht mit Händen gemachtes ewiges Haus im Himmelʼ. Da du die Heilige Schrift kennst, brauchst du nicht von mir törichter Frau darüber belehrt zu werden, wie man ʻzu nüchterner Einsicht kommtʼ und auf die Ankunft des von der Hochzeit zurückkehrenden Bräutigams harrt. Nur das eine mahne ich, ʻdie Zeit ist naheʼ!» Durch diese Rede der Schwester wurde das Herz des Bruders umgestimmt. Er ließ alles zurück, ʻentfloh nackt dem Schiffbruch dieser Weltʼ und bemühte sich, mit den Rudern der Tugend den Hafen des Heils zu erreichen. Deshalb unterwarf er sich im Kloster des heiligen Gallus dem süßen Joch des Lebens nach der Regel, und da seine Lebensführung allen gefiel, wurde er auf den Rat aller Mitbrüder hin vom Abt des Klosters mit der Leitung der Kirche des heiligen Magnus betraut. Deren Geschicke lenkte er auch bis in die Zeit nach dem Martyrium seiner Schwester in redlicher Weise, dann folgte er dem göttlichen Ruf ins Reich der Lebenden.
- t
- ex terrestis manus posterior correxit B.↩
- u
- deest C.↩
- v
- viam C.↩
- w
- ad scripsit et delevit C.↩