VIII

IDEM SACERDOS IAM inde a iuuentute Mt 19,16 sqq.cum illo euangelico iuuene mandata uitę custodiens · illud solummodo quod perfectionis esse ueritas docuit · adhuc etiam cum eo tristis audiuit · Beata uero uuiborada quę iam transitoriis in mente renuntiando fluctibus huius saeculi se emerserat · cupiens etiam fratrem suum ad portum perennis tranquillitatis peruenire · huiuscemodi uerbis eum alloquitur · Quam diu frater karissime ista temporalia amando · cf. Ps 136,1in fluminibus bap. 410bylonis iactamur? Humiliati enim sumus Ps 83,7in hac ualle lacrimarum propter presumptionem primi parentis · et necesse est si per elationem amissam patriam consequi desideramus per humilitatem promereri · idcirco te moneo frater mi · ut neque sub fluminibus · neque in fluminibus · sed Ps 136,1super flumina huius babylonis sedentes · cottidie cum lacrimis prestolemur finem nostrum · ut dolore cordis nostri ad deum ascendente · eius gratia mereamur adiuuari · ut per gradus humilitatis Ps 83,8de uirtute in uirtutem conscendentes · Ps 121,2pedes nostri stabiliantur in atriis hierup. 411salem · II Cor 5,1Scimus enim quod terrestrist domus nostra huius habitationis dissoluitur · idcirco nunc agendum est · ut post huius dissolutionem ędificationemu habeamus a deo · domum non manufactam aeternam in caelis · Te enim sacras scripturas scientem · non opus est a me insulsa edoceri Rm 12,3quomodo oporteat sapere ad sobrietatem · cf. Mt 25et uigilare ad aduentum reuertentis a nuptiis · tamen unum moneo · Apc 1,3; 22,10; Mt 26,18 tempus enim prope est · Tali allocutione sororis mutatum est cor fratris · Lc 5,11atque relictis omnibus · cf. Gregorius M., Epist. V 53a (Dedicatio Moralium in Iob), c. 1nudus de naufragio huius mundi fugiens · rep. 412mis uirtutum studuit arripere portumv salutis · Itaque in monasterio sancti GALLI · ad suaue iugum regularis uitę se humilians · cum uniuersis eius conuersatio placuisset · fratribus id in commune consiliantibus · ęcclesię beati magni a patre monasterii praeficitur · Qua etiam usquew post sororis martyrium probabiliter gubernata · diuina uocatione migrauit in regionem uiuorum ·

Derselbe Priester hatte schon von Jugend an wie der bekannte junge Mann aus dem Evangelium die Gebote für das Leben eingehalten, nur das allein, was, wie die Wahrheit lehrt, zur Vollendung noch fehlte, das hatte er bislang wie jener nur unwillig gehört. Aber die selige Wiborada, die sich im Geist schon aus den vergänglichen Fluten dieser Welt durch Entsagung erhoben hatte, wollte, daß auch ihr Bruder zum Hafen der ewigen Ruhe gelange, und sprach ihn folgendermaßen an: «Wie lange noch, liebster Bruder, werden wir durch unsere Liebe zum Zeitlichen auf den babylonischen Fluten hin- und hergeworfen? Gedemütigt sind wir hier ʻim Tal der Tränenʼ, wegen der Anmaßung unseres Stammvaters. Wenn wir das durch Übermut verlorene Vaterland wiedergewinnen wollen, dann müssen wir es durch Demut verdienen. Deshalb ermahne ich dich, mein Bruder, daß wir uns nicht von den Fluten dieses Babylon überspülen noch auf ihnen umhertreiben lassen, sondern ʻüber dem Wasser am Ufer sitzen und so unter Tränenʼ täglich unser Ende erwarten, damit wir durch den Schmerz unseres Herzens, der zu Gott hinaufsteigt, die Hilfe seiner Gnade verdienen und so über die Stufen der Demut ʻvon Tugend zu Tugendʼ steigen und unsere Füße Halt finden ʻin den Torhallen Jerusalemsʼ. ʻDenn wir wissen, daß diese unsere irdische Hütte abgebrochen wirdʼ. Deshalb müssen wir jetzt handeln, damit wir nach ihrem Abbruch ʻeinen Bau von Gott empfangen, ein nicht mit Händen gemachtes ewiges Haus im Himmelʼ. Da du die Heilige Schrift kennst, brauchst du nicht von mir törichter Frau darüber belehrt zu werden, wie man ʻzu nüchterner Einsicht kommtʼ und auf die Ankunft des von der Hochzeit zurückkehrenden Bräutigams harrt. Nur das eine mahne ich, ʻdie Zeit ist naheʼ!» Durch diese Rede der Schwester wurde das Herz des Bruders umgestimmt. Er ließ alles zurück, ʻentfloh nackt dem Schiffbruch dieser Weltʼ und bemühte sich, mit den Rudern der Tugend den Hafen des Heils zu erreichen. Deshalb unterwarf er sich im Kloster des heiligen Gallus dem süßen Joch des Lebens nach der Regel, und da seine Lebensführung allen gefiel, wurde er auf den Rat aller Mitbrüder hin vom Abt des Klosters mit der Leitung der Kirche des heiligen Magnus betraut. Deren Geschicke lenkte er auch bis in die Zeit nach dem Martyrium seiner Schwester in redlicher Weise, dann folgte er dem göttlichen Ruf ins Reich der Lebenden.

t
ex terrestis manus posterior correxit B.
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deest C.
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viam C.
w
ad scripsit et delevit C.