XXXI (26-27)

Mane facto · nuncii iterato aduenientes barbaros aduentasse proclamant · Ilico · abbas uelutir anhelus ad eam ueniens · pridie demandatas 135va per monachos repetiuit · dicens cum lacrimis ad sanctam dei · Quare domina sicut fama est paganos superuenientest non deuitas? Cur in periculis constituti priuamuru tuis orationibus et sancto conspectu? Quare non paterisv te tuto loco aliquantum temporis ad consolationem nostram dei gratia comitante et adiuuante seruari? At illa his fletibus mota · cur inquit uenerande pater tantam mihi tristiciam ingeris? Cur mihi quia tua in me potestas est tantillum spatium exacti laboris perdere precipis? Si dominus mihi sicutw spero et credo adiutor est · quod semel animo fixum est mutari non potest · Istam mansiunculam dei clementia mihi concessam · uiuens in corpore uacuam non relinquam · Igitur abbas tantam constantiam uirginalis animi in deo fixam conspiciens · ueniam sibi darex poscit · quod eam in tantumy suis uerbis fatigauit · et pro certo cognoscens quamuis ipsa non diceret aliquam suę uocationis reuelationemz sibimet factam · interrogata quod nunc sibimet rebus agendis consilium daret · At illa inquit · Sancte pater · nullam moram interponas · quin temetipsum et animas tibi a deo commendatas saluare studeas · cf. Greg. Turon., Histor. VI 6Thesaurum sancti Galli sicut iam cępistib · et quicquid ad usus monachorum vel familię adhuc reliquum est hodie et hac nocte portando et uehendo ad castellum transmittere non tardes · Crastina enim die sine omni dubietatec uallis ista undique circumsepta seuad multitudine barbarorum replebitur · Tandem abbas uenerandus omni dubietate summotae et cunctis illiusf uerbis credulus fecit ut monuit · et omnem qui relictus est thesaurum sancti galli in libris · in auro · in argento · in uestibus diuersi generis · et quicquid in sumptibusg uel usibus monachorum esse poterat · cum omni cautela et festinatione ad castellum transmisit ·

(27) Uenerunt etiam eth parentes domine rachildę tractantes cum beata wiborada · quatenus 135vb filiam suam de clausula sumptam · ad tutiora loca secum seruandam deducerent · Quibus ipsa · nolite ait solliciti esse de filia mea · Omnipotentis enim dei et sanctorum eius munimine uobis ad consolationem multisque aliis per multa tempora seruabituri · Ite ad hospitium uestrum · et maturius surgentes uenite ad nos ut benedictione dei sanctique magni de manibus nostris percepta · gaudentes redeatis ad propria · Illucescente itaque altera die propinqui beatę Rachildę sicut erant religiosi uerbis et consolationibus uenerandęk uirginis fidem adhibentes · omni sollicitudine postposita pro filia sua uenerunt et gratias ei reddentes pro omnibus bonis semper sibimet tanta benignitate ostensis · licentiam abeundi postulauerunt · Quibus illa · accipite ait benedictionem domini de manibus meis · et paululum gustantes ite cum pacel · Cunque hoc factum fuisset illius sanctis orationibus muniti et dei gratię sanctorumque eiusm commendati · salutata filia sua redierunt ad propria ·

Abt Engelbert bei Wiborada

Als der nächste Morgen kam, erschienen abermals Boten mit der Meldung, die Barbaren kämen heran. Sofort kam der Abt wie außer Atem zu ihr, wiederholte das, was die Mönche tags zuvor ausgerichtet hatten, und sagte der Heiligen Gottes unter Tränen: «Warum, Herrin, fliehst du, wie man hört, nicht vor dem Überfall der Heiden? Warum werden wir deiner Gebete und deines heiligen Antlitzes beraubt, wenn wir in Gefahr sind? Weshalb duldest du nicht, daß du für längere Zeit zu unserem Trost an einem sicheren Ort mit der Gnade und Hilfe Gottes beschützt wirst?» Jene aber sagte, durch seine Tränen gerührt: «Warum, ehrwürdiger Vater, verursachst du mir eine solche Trauer? Warum schreibst du mir, weil du Macht über mich hast, vor, die [nur noch] so kurze Zeit bis zur Vollendung der Mühsal zu verlieren? Wenn mir der Herr, so wie ich hoffe und glaube, ein Helfer ist, so kann nicht geändert werden, was das Herz sich einmal vorgenommen hat. Diese Behausung, die mir durch Gottes Güte zugestanden wurde, werde ich nicht leer lassen, solange ich lebe.» Da erkannte der Abt die große in Gott ruhende Standhaftigkeit ihres jungfräulichen Herzens, bat sie um Verzeihung, daß er sie mit seinen Worten so sehr behelligt hatte, und in der Überzeugung, daß sie eine Offenbarung über ihre Berufung erhalten habe, so wenig sie es selbst auch sagte, fragte er, welchen Rat sie ihm nun für sein Handeln gebe. Sie aber antwortete: «Heiliger Vater, verliere keine Zeit mehr, dich und die dir von Gott anvertrauten Seelen zu retten. Säume nicht, wie du bereits begonnen hast, den Schatz des heiligen Gallus und alles, was für die Mönche und die Klostergemeinschaft noch übrig ist, heute und in dieser Nacht zur Burg zu tragen und zu fahren. Morgen nämlich wird dieses Tal überall von den eindringenden wilden Barbarenhaufen erfüllt sein». Da war endlich aller Zweifel ausgeräumt, und der ehrwürdige Abt glaubte ihr, tat nach all ihren mahnenden Worten und ließ den ganzen verbliebenen Schatz des heiligen Gallus an Büchern, Gold, Silber, Kleidung verschiedener Art und allem, was den Mönchen von Wert oder Nutzen sein konnte, mit aller Vorsicht und Eile zur Burg schaffen.

Es kamen auch die Eltern der Herrin Rachild und überlegten mit der seligen Wiborada, wie sie ihre Tochter aus ihrer Klause an einen sicheren Ort zu ihrer Rettung mit sich fortführen könnten. Ihnen sagte sie: «Seid über meine Tochter nicht beunruhigt. Denn im Schutze des allmächtigen Gottes und seiner Heiligen wird sie euch und vielen anderen zum Trost für lange Zeit bewahrt bleiben. Geht zu eurer Wohnung, steht zeitig auf und kommt zu uns, daß ihr aus unseren Händen den Segen Gottes und des heiligen Magnus empfangt und freudig nach Hause zurückkehrt.» Bei Anbruch des nächsten Tages kamen deshalb die Verwandten der seligen Rachild, gottesfürchtig wie sie waren und im Vertrauen auf die Worte und Tröstungen der ehrwürdigen Jungfrau und von aller Sorge um ihre Tochter befreit, dankten ihr für alles Gute, das sie ihnen immer mit so großer Güte erwiesen hatte, und baten um die Erlaubnis, gehen zu dürfen. Sie sagte zu ihnen: «Empfangt aus meinen Händen Gesegnetes vom Herrn, eßt ein wenig und geht in Frieden.» Als dies geschehen war, grüßten sie ihre Tochter und kehrten gefestigt durch ihre heiligen Gebete und im Vertrauen auf die Gnade Gottes und seiner Heiligen nach Hause zurück.

r
velut A W Boll.
s
mandata Boll.
t
deest A W Boll.
u
privantur A W Boll.
v
patieris S.
w
ut A W Boll.
x
dari A W Boll.
y
ex tantam correxit tantum S.
z
ex reuelationes corr. S.
a
interrogantque A.
b
capisti A.
c
sine dubitatione A.
d
deest A W Boll.
e
submota A Boll.
f
eius A; deest W Boll.
g
somptibus A.
h
deest A W Boll.
i
salvabitur A W Boll.
k
sanctae A W Boll.
l
ex pauce corr. S.
m
eius] orationibus A W Boll.