XXIX (24)

Quadam die post celebratam solemnitatem beati iohannis baptistę ante festiuitatemz sanctorum apostolorum petri et pauli inter meridianum tempus et nonam · solito sedili in 135ra psalmodia beata residente iacens ante eam patens psalterium subito se ultro complicuit · in quod paulisper caput reclinans obdormiuit · Hoc tenui somno per uisum ei reuelatum est seuam gentem ungariorum a anno futuro in kalendis maiib aliis terris peruagatis et deuastatis ad monasterium sancti Galli c peruenturam · et in eadem reuelatione ostensum est illi quod per martyrii gloriam ipsis paganis eam uulnerantibus sui laborisd et certaminis praemia in cęlestis regni beatitudine percipere deberet · Mox euigilans et de uisione sollicita intentione pertractans · inter spem metumque posita · spe suę uocationis · metu populi contritionis · aliquantis diebus conticuit · Deinde cogitans se deliquisse si revelata a deo aliis non manifestaret · uirum uenerabilem waldrammum cuius antea fecimus mentionem sibi affabilem secretius ad se uocatum · paganorum aduentum tempusque signatum pronunciat · ipsi autem nec unquam ulli quę ei de sua passione reuelata fuerant pandens · Insuper admonuit ut palam in ęcclesiae cunctis aduenientibus sed et undique circumquaque manentibus imminens periculum patefacere curaret · Se etiam in hoc laborare promittens quatenus dilatione tanti temporis concessaf orationum frequentatione · ieiuniorum celebratione · sacratag elemosinarum largitione · sine intermissione misericordiam domini iugiter implorantes iram superni iudicish propter multimoda cunctorum populorum delicta seuientis · aliquatenus bonis actibus insistendo mitigarenti ·

Panische Vision

Eines Tages saß die Selige nach der Feier der Messe des seligen Johannes des Täufers und vor dem Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus am frühen Nachmittag im Psalmgesang in gewohnter Weise da, da faltete sich der aufgeschlagene Psalter, der vor ihr lag, plötzlich von selbst zusammen, und ihr Haupt sank etwas darüber und sie schlief ein. In diesem leichten Schlaf wurde ihr im Traum offenbart, daß das grimmige Volk der Ungarn am ersten Mai des folgenden Jahres zum Kloster des heiligen Gallus gelangen werde, nachdem es andere Länder durchzogen und verwüstet hätte. Und in derselben Offenbarung wurde ihr gezeigt, daß sie den Lohn ihrer Mühe und ihres Kampfes mit dem Ruhm des Martyriums, da diese Heiden sie verwunden würden, in der Seligkeit des himmlischen Reiches erhalten würde. Bald darauf erwachte sie und durchdachte aufmerksam und sorgfältig ihren Traum, schwankte zwischen Furcht und Hoffnung — Hoffnung auf die Berufung und Furcht vor dem Verderben des Volkes — und schwieg etliche Tage. Darauf dachte sie, es wäre ein Vergehen, wenn sie das von Gott Offenbarte anderen nicht enthüllte, rief den verehrungswürdigen Waldram, den wir oben erwähnt haben und der ihr zugetan war, in aller Stille zu sich und berichtete ihm von der Ankunft der Heiden und der bezeichneten Zeit, ohne ihm allerdings oder sonst jemandem das zu eröffnen, was ihr über ihre Passion enthüllt worden war. Sie ermahnte ihn, noch dafür zu sorgen, daß offen in der Kirche allen Besuchern und auch allen ringsum wohnenden Menschen die drohende Gefahr bekannt gemacht würde. Sie versprach auch, daß sie sich bemühen werde, während der zugestandenen Frist durch häufiges Beten, feierliches Fasten und geheiligtes Almosenspenden beständig und ohne Unterlaß das Erbarmen des Herrn erflehen, um den Zorn des himmlischen Richters, den die vielfältigen Vergehen aller Völker erregt hatten, durch beharrliches Wirken des Guten einigermaßen zu besänftigen.

z
festum A.
a
Hungarorum Boll.
b
secundam i erasit S.
c
nomen linea rubra produxit A.
d
sui laboris deest Boll.
e
ecclesiam A W.
f
concessa deest A W Boll.
g
sancta Boll.
h
omisit A; in marg. suppl. W.
i
mitigaret Boll.