Non post multum autem comperto ad monasterium Burchardus (Purchardus) dux Alamannorum
Engilbertus (Engelbertus) abbas
Rachilda reclusa
Burchardus (Purchardus) dux Alamannorum
Herzog Burchard in St. Gallen
Als sie aber wenig später von der Ankunft ebendieses Herzogs im Kloster erfuhr, gebot sie, da der Abt vor dem Tyrannen aus dem Kloster wich, gleich bei seiner Ankunft, daß er zu ihr gerufen werde. Als er kam, empfing sie ihn streng und schalt ihn mit harten Worten sehr ob aller Taten, die ihr im Traum kundgetan waren, und fügte hinzu: «Warum gehst du zu dem, den du mit solchen Untaten bedrängt hast? Du hast es gewagt, sein goldenes und mit Heiligenreliquien gefülltes Kreuz trotzig von diesem Ort mit dir fortzuschleppen.» Als er aber versicherte, daß er es nicht aus eigenem Antrieb an sich genommen hätte, sondern weil es ihm die Mönche angeboten und gegeben hätten, sagte sie: «Nicht aus Liebe zu dir, sondern aus Furcht haben sie es getan, und wenn du es nicht wieder zurückgibst, damit es dem heiligen Ort, von dem es weggeschafft wurde, zurückerstattet wird, so sollst du wissen, daß dein Leben in Gefahr und nahe dem Ende ist». Und als er für alles, weswegen er ermahnt worden war, eine angemessene Besserung versprach und daß er auch bereit sei, das heilige Kreuz und vieles andere zu Unrecht Weggenommene wieder zurückzugeben, sagte er unter anderem: «Teuerste Herrin, ich weiß, daß du eine heilige Frau bist. Bitte für mich und nimm mich in dein Gebet auf!» Sie aber erwiderte: «Wenn du mir gemäß deinen Versprechungen vor Gott und seinen Heiligen Genüge getan hast, werde ich deinen Willen tun». Als er dies vernahm, wandte er sich zum Altar und gelobte unter Eid, daß er alles im Sinne der Verabredung tun und sich bessern werde. Nach diesen Worten nahm sie ihn [in ihr Gebet] auf, gab ihm die Erlaubnis [zu gehen], und als er sich schon ein wenig von ihren heiligen Augen entfernt hatte, rief sie ihn zurück und sagte: «Die als Verwalter des Klosters zurückgelassenen Brüder, die über dein Kommen beunruhigt sind, beraten morgen, mit welchem Schatz sie dich ehren könnten. Wohlan, in Sorge um dein Wohlergehen sage ich voraus, daß sie dir einen goldenen Kelch mit der Schale als Geschenk anbieten werden. Hüte dich, es anzunehmen! Wenn du es annimmst und das, was du versprochen hast, nicht erfüllst, so wisse, daß dir ein langes Leben verwehrt bleiben wird». Jener aber fügte seinen Versprechen noch weitere hinzu, empfing ihren Segen und begab sich zum Haus der heiligen Rachild. Diese war von ihrer geistlichen Mutter gewarnt, nahm ihn, der mit solchen Worten ähnliches versprach, demütig auf und entließ ihn wieder. Am Morgen boten die Mönche, wie es die heilige Jungfrau vorhergesagt hatte, nach vorausgegangener Beratung dem Herzog geheiligte Gefäße, nämlich einen goldenen Kelch mit Schale, als Geschenk an, da sie nichts anderes hatten. Er nahm die Geschenke, vergaß Schwur und Gelöbnis, die er der gottgefälligen Jungfrau geleistet hatte, und kehrte nach Hause zurück.
- b
- supr. lin. S.↩
- c
- dyre A W; dire Boll.↩
- d
- deest A.↩
- e
- testaretur·illa ait· Non A.↩
- f
- Sed Boll.↩
- g
- paurumper A.↩
- h
- ait A.↩
- i
- deest A.↩
- k
- incolumitati Boll.↩
- l
- auream A!↩
- m
- deest A Boll.↩
- n
- offerunt A S W.↩
- o
- promisti A.↩
- p
- adiciens A W; adjiciens Boll.↩
- q
- fratres A.↩
- r
- sancta Boll.↩
- s
- deest S; in marg. suppl. W.↩