XXIV (21)

Hęc sancta uirgo quicquid de annona sibi uel ministrantibus supererat · aut a quoquam acceperat · larga manu cuncta pauperibus erogabat · Inter quos unum elegit · quem tempore sui prandii circa nonam iugiter secretius adesse precepit · Huius gressus aliter esse non poterat · nisi quod duobus baculis intero ascellas sustentantibus incedebat · Igitur diabolus omnis boni inuidus gerens Virg., Aen. VII 338 etc. mille nocendi artes · quadam die in similitudine illius egeni magno strepitu baculorum horam refectionis anteuenit · et prostratus terrę ante fenestellam tanta se infirmitate detentum simulat · ut iam se deficere proclamaret · nisi solitam elemosinam mox ab ea perciperet · Illa Virg., Aen. X 696immota manens ut semper sine intermissione prostrata in oratione iacebat · nullum profano responsum dedit · Econtra deceptor animarump Sulp. Sev., Vita S. Martini 7,2flens et eiulans · quid proderunt tibi inquit si hic moriar elemosinę quas ante dedisti? Vbi nunc larga manus quam mihi sepe praebuisti? Quare exeuntem animam saltimq in hora subitę mortis non recreas? At sancta uirgo 134rb sicut ceperat tacita permansit · Interea malignus suasor caput horrendum ad fenestellam subrigens introspicit · Sancta itaque uirgo se paululum a terra leuans · contra hostis nequiciam signum sanctę crucis imprimit · et semetipsam undique muniuit · deinde ad fantasma dixit · Recede quisquis es adiuratus per tremendum et uenerandum christi nomen recede · a me non accipiesr quicquam · Ilico sancti nominis inuocatione fantasma uelut palea uenti flamine translata · nusquam comparuit · Discedente diabolica fraude · certos refectionis tempore sicut antea solitus erat elemosinarius pauper cum magna cautela aduenerat · Att uirgo beata gaudio repleta simulu admirans · ueni ait amice te agnosco ueni · quę a domino praeparata sunt lętus suscipe · Ille incognitus qui dudum aduenit dei uirtute superatus et confusus procul recedat a nobis ·

Teufelserscheinung

Was der heiligen Jungfrau oder ihren Dienerinnen an Lebensmitteln übrig blieb oder was sie von irgendjemand erhielten, all dies verschenkte sie mit freigebiger Hand an die Armen. Unter diesen wählte sie einen aus, dem sie gebot, um die neunte Stunde, zu ihrer Essenszeit, in aller Stille zu kommen. Er konnte nur gehen, indem er mit zwei Krücken seine Achseln stützte. Der Teufel aber, der alles Gute neidet und ʻtausend verderbliche Künsteʼ kennt, Schaden zu stiften, kam eines Tages im Bild jenes Armen mit lautem Getöse der Krücken vor der Essenszeit daher, warf sich vor dem Fensterchen auf den Boden und täuschte vor, er sei von so großer Schwäche erfaßt, daß er — so schrie er laut — jetzt sterben müsse, wenn er nicht sofort von ihr das gewohnte Almosen bekäme. ʻJene blieb unbewegtʼ, lag wie immer ohne Unterbrechung im Gebet am Boden und gab dem Gottlosen keine Antwort. Dawider ʻwimmerte und heulteʼ der Seelenbetrüger: «Was werden dir die Almosen nützen, die du früher gegeben hast, wenn ich hier sterbe? Wo ist jetzt deine freigebige Hand, die du mir oft gereicht hast? Warum erquickst du die scheidende Seele nicht wenigstens in der Stunde eines plötzlichen Todes?» Die heilige Jungfrau aber blieb wie von Anfang an im Schweigen. Da reckte der böse Einflüsterer sein schreckliches Haupt zum Fensterchen und schaute hinein. Die heilige Jungfrau erhob sich nun ein wenig vom Boden, schlug gegen die Bosheit des Feindes das Zeichen des heiligen Kreuzes, wappnete sich von allen Seiten und sagte zu dem Spuk: «Weiche, wer du seist, ich beschwöre dich bei dem furchtbaren und ehrwürdigen Namen Christi, weiche! Von mir wirst du nichts erhalten.» Bei der Anrufung des heiligen Namens verschwand der Spuk sofort, so wie Spreu im wehenden Wind davonfliegt. Da der teuflische Betrug wich, kam der almosenbedürftige Arme mit großer Behutsamkeit richtig zur Essenszeit, wie er es schon gewohnt war. Und die selige Jungfrau freute und wunderte sich sehr und sagte: «Komm, mein Freund, ich erkenne dich, komm und nimm freudig an, was vom Herrn bereitet ist. Jener Unbekannte aber, der gerade da war, weiche fern von uns, denn er ist besiegt und zerstört durch Gottes Kraft.»

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inter] intra A W; deest Boll.
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amarum Boll.!
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saltem Boll.
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recipies A W Boll.
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certae Boll.
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vero add. A.
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et add. A.