Quidam uenerabilis monachus et presbyter fuit in congregatione sancti Gallus
Waldrammus (Waltrammus), monachus et presbyter
Waldrammus (Waltrammus), monachus et presbyter
Wiborada (Wiberada, Wiborat)
Waldrammus (Waltrammus), monachus et presbyter
Waldrammus (Waltrammus), monachus et presbyter
Wiborada (Wiberada, Wiborat)
Waldrammus (Waltrammus), monachus et presbyter
Waldrams achtloser Diener
Es gab in der Gemeinschaft des heiligen Gallus einen verehrungswürdigen Mönch und Priester, der in den Wissenschaften bewandert und ein hervorragender Prediger war, namens Waldram. Dieser hatte als Diener einen Vertrauten, der ihm lieb war und treu seinen Dienst tat. Durch ihn nun pflegte der Herr, um ein Liebeswerk zu tun, der Herrin Wiborada öfter von ihm Gesegnetes zu senden. Als er so gesandt wieder einmal kam und das Mitgebrachte überreichte, erhielt er von ihr wie alle, die zu ihr kamen, zur Belohnung ein Stück gesegneten Brotes. Er nahm es, ging fort, und da er — wie ich glaube — von einer anderen Speise bereits gesättigt war, ließ er das gesegnete Brot unberührt, gab es einem Armen, der ihm gerade begegnete, und eilte unverzüglich zu seinem Herrn. Wenig später wurde er aber vom Fieber befallen und lag in so großer Schwäche darnieder, daß er weder essen noch trinken konnte. Und als die Krankheit nicht nachließ, sondern von Tag zu Tag zunahm, fragte ihn sein Herr, der über ihn sehr betrübt war, ob er sich vorstellen könne, wie diese so plötzliche Schwäche über ihn gekommen sei. Als dieser zur Antwort gab, das könne er nicht, sagte er: «Kannst du dich noch entsinnen, ob du von der heiligen Wiborada irgendetwas Gesegnetes empfangen hast, als du einmal von mir dorthin gesandt wurdest?» Da erinnerte er sich endlich ihrer frommen Gabe, wurde sich seiner Schuld, ja Anmaßung bewußt und rief, so laut er konnte: «Mein Herr! Ich weiß und erkenne, daß ich deshalb jetzt in so großer Schwäche darniederliege, weil ich aus ihren heiligen und freigebigen Händen ein Brot empfing; aber wegen meiner Sünden habe ich nicht davon gegessen, sondern es einem, der mir begegnete, gegeben.» Da sich jener aber der Heiligkeit der seligen Jungfrau sehr gewiß war und zugleich die Schuld des Darniederliegenden erkannte, befahl er, ein Pferd herbeizuholen, legte ihn darauf und gab den Auftrag, ihn vor ihr Angesicht zu bringen. Die heilige Jungfrau sah nun seine Beschwernis, tadelte sehr seinen Eigensinn und reichte ihm wieder ein Brot, das sie segnete. Als er davon gekostet hatte, kam er auf der Stelle wieder zu Kräften, erhielt nach Verlauf einer kurzen Frist seine volle Gesundheit zurück und diente freudig wie bisher seinem Herrn.
- p
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wadramus A;Waldrammus (Waltrammus), monachus et presbyter
wadrammus corr. in waldrammus W;Waldrammus (Waltrammus), monachus et presbyter
Waldramus Boll.↩Waldrammus (Waltrammus), monachus et presbyter
- q
- bt̅i A W; beati Boll.!↩
- r
- tardacione A.↩
- s
- de] a A.↩
- t
- mi Boll.↩
- u
- deest A.↩
- v
- minime] scriba A inepte inter manibus et panem accepi posuit; in marg. suppl. W.↩
- w
- illum Boll.↩
- x
- mihi occurrenti] qui mihi occurreret Boll.↩
- y
- cabellum A W Boll.!↩
- z
- iterato benedicens ei porrigit] benedicens iterato porrigit A W Boll.↩
- a
- ex deangustato corr. S.↩