XI

MULIER QUĘDAM nomine reginsinda cum continuum uę pateretur in capite · audiens quales uirtutes dominus dignaretur operari per merita beatę uuiboradę · adiit p. 531 cernua locum sepulchri eius · ibique uouens diem passionis eius se annuatim festiue ueneraturam · in uouendo somnum coepit · Unde excita · omni dolore remotob · incolomis repatriauit · Igitur adueniente profesto natalis uirginis · hęc eadem quam praedixi mulier · iam pridem habens telam erectam · sperauit eadem die eam usque ad finem perducere · si diem ex integro texeret · In hac itaque spe festina · cum iam uergens sol intrans oceani undas · mortalibus denegaret sui praesentiam · corripitur in texendo tanta infirmitate capitis · p. 532 quod prius relictum uirginis auxilio thorum · languore ingrauescente reuisit · Tunc se reminiscens praeuaricatricem · ultra suum posse ut ita dicam nisa · iterato ad sepulchrum eius uenit · ibique oratura prosternitur · Quomodo ego miser hic digne ualeo loqui lacrimas commissac pęnitentum · cuius Rm 7,23captiuata mens adhuc magis uoluntarie ducitur in lege peccati · quam ut Rm 7,22condelectetur lege dei? Funduntur ubertim lacrimę testes uerę pęnitentię · cumulantur uota melius soluenda prioribus neglectis · exaggerantur preces pro p. 533 uenia · precibus pro incolomitate · singultusque continui sepe illi abrumpunt praecantia uerba · Tandem diuina clementia respecta · quę nobis delinquentibus · semper post uirgam correptionis porrigit baculum consolationis · repente inter preces somnod grauatur · Quo exonerata · ilico surrexit sana · atque cum gaudio regreditur ad sua ·

Eine Frau namens Reginsind hörte, da sie an ständigem Kopfweh litt, welche Wunder der Herr durch die Verdienste der seligen Wiborada zu vollbringen geruhte, und ging tiefgebeugt zu ihrer Grabstätte; dort gelobte sie, den Tag ihrer Passion jährlich festlich zu begehen, und während des Gelübdes fiel sie in Schlaf. Als sie erwachte, war aller Schmerz vorbei, und sie kehrte gesund zurück. Als nun der Vortag des Festes der Jungfrau kam, da hatte diese Frau, von der ich sprach, schon zuvor einen Webstuhl aufgestellt und hoffte, das Gewebe noch am selben Tag zu Ende bringen zu können, wenn sie den ganzen Tag über webte. In dieser eilfertigen Hoffnung wurde sie, als schon die Sonne sich neigte und in die Wellen des Ozeans eintauchte und den Sterblichen ihre Anwesenheit versagte, beim Weben von solcher Mattigkeit des Kopfes ergriffen, daß sie das zuerst durch die Hilfe der Jungfrau verlassene Bett wieder aufsuchte, da die Schwäche zunahm. Da erinnerte sie sich daran, daß sie ihre Pflicht vergessen hatte, und bemühte sich sozusagen über ihre Kräfte hinaus: zum zweiten Mal kam sie zu ihrem Grab und warf sich dort zum Beten nieder. Wie kann ich Elender hier auf rechte Weise über die Tränen derer reden, die ihre Taten bereuen, ʻdessen gefangener Geistʼ bisher mehr aus eigenem Willen im ʻGesetz der Sündeʼ geführt wird, als daß er sich ʻam Gesetz des Herrn erfreuteʼ? Es wurden reichlich Tränen vergossen, die Zeugen wahrer Reue, es wurden Gelübde über Gelübde dargebracht, die besser eingehalten werden sollten als die früheren, vernachlässigten; Bitten um Vergebung erhoben sich über die Bitten um Gesundheit, und fortwährendes Schluchzen unterbrach ihr häufig die flehenden Worte. Als sie endlich die göttliche Gnade erkannte, die uns, wenn wir Fehler machen, immer nach der Rute der Züchtigung den Stab des Trostes zureicht, wurde sie plötzlich unter ihren Gebeten von Schlaf beschwert. Als sie von ihm frei wurde, stand sie sofort gesund auf und kehrte froh nach Hause zurück.

b
submoto C.
c
deest C.
d
deest C.