XI

INIQUUS AUTEM VENdicator imaginis dei · fremens se ex alieno mancipio a beata uuiborada expulsum · cf. Sap 5,18Is 59,17zelo ultionis in ipsam armatur · Itaque cum iam cognouisset per diuersos terrores p. 417 a se illatos · frequentiam orationum eius non rarescere · nisus est eandem frequentiam macula infamię obuoluere · concitans aduersus eam quandam ex ipsius ancillis · quę affirmaret eam non causa orationis clam per singulas noctes surgere · sed potius ut nefaria quę sub sole erubuisset agere · nocturna freta caligine securius perageret · et hoc uerbum quod iret oratum · quasi deaurationem esse eius scelerum · quę et cum tam multis exercuisset · ut sibi uideretur impossibile eos calculo conprehendere · Super his autem tacendum esse · si inmunis existeret p. 418 pollutione fraterni concubitus · Haec illa circumquaque incessabiliter latrante · et quibusdam ficta esse dicentibus · aliis uero humanam fragilitatem culpantibus · peruenit fama ad aures salomonis constantiensis episcopi · Quid opus est uerbis? Sistitur presuli uice mechę sponsa christi · criminatur pro innumero adulterioz quę non polluta fuit saltim uno · diffamatur · fratris esse concubina fraternę castitatis consiliaria · Negantur a uirgine affirmata a meretrice · sed populus ignarus ueri · ęque credidit utrique · Episcopus autem uolens eorum p. 419 dubietatia finem imponere · statuit ei diem · in qua de sibi obiectis · cum dei iudicio dubitantib populo fidem faceret ·

Fiducialiter agas uuiborada · I Pt 1,6-7oportet enim nunc modicum contristari in uariis tribulationibus · ut fides nostra preciosior sit auro quod per ignem probatur ·

Mt 13,55Ille enim filius fabri · cf. Lc 7,39ille non propheta ob tactum meretricis · cf. Io 7,20; 8,48; 10,20 ille doemonium habens · ille alia innumerabilia obprobria sustinens · tuis quoque compatietur obprobriis · Per hęc oportuit illum intrare in gloriam suam · per hęc et nos oportet eiusdem glorię fieri coheredes · Cum enim audio ab apostolo quod p. 420 Rm 5,3gloriandum est in tribulationibus · non uideo causam tuę diffidentię · nisi inde quid fias pusillanimis · quod pro leui tribulatione etiam cuiusdamc sub impossibilitate legis adhuc pugnantis impar uideris · cf. Dn 13dico autem susannę · Illa enim diffamata est a duobus presbiteris quibus credendum erat ut senioribus populi · tu uero ab una uili ancillulad · cuius uerba reseruantur iudicio probandae · Illa sine mora morti addicitur · tu uero quod ulla pęna plectaris nec loquetur · Sed neque adhuc diffidas quasi a deo derelicta · ueniet enim dies · cum plus probaris susanna · De qua die nop. 421ster sermo ad presens est reprimendus · potiusque ad tibi praescriptum iudicium reflectendus ·

Conueniente autem cum episcopo ad pręfinitum diem copiosa multitudine · omnipotens deus omnibus ita liquido eius innocentiam comprobauit · ut incredibili lętitia tripudiantes illi geminarent grates · et quod in ea innocentiamf conseruauit · et eandem diffamatam infamia disculciauitg · Cumque ei a presule daretur optio quali pęna plecteretur inficiatrix · respondit · cf. Dt 32,35deo uindictam · ipse ei retribuet ·

Der Böse aber, der sich das Ebenbild Gottes anmaßt, tobte, daß er aus fremdem Eigentum durch die selige Wiborada vertrieben war, und rüstete sich gegen sie voll Leidenschaft der Rache. Da er aber bei den verschiedenen Schrecken, die er ihr bereitete, bemerkt hatte, daß die Häufigkeit ihrer Gebete nicht abnahm, bemühte er sich, diese Häufigkeit durch den Makel eines schlechten Rufes zu verhüllen, indem er gegen sie eine ihrer Dienerinnen aufhetzte: Sie sollte behaupten, daß sie nicht des Gebetes wegen jede Nacht heimlich aufstehe, sondern nur, um desto sicherer im Vertrauen auf die nächtliche Dunkelheit Schändliches zu tun, über das sie im Licht der Sonne erröten müsse. Die Behauptung, sie gehe zum Beten, sei gleichsam die Vergoldung ihrer Vergehen, die diese mit so vielen begangen habe, daß es ihr unmöglich scheine, eine Zahl zu nennen. Darüber könne man aber noch schweigen, wenn sie rein wäre von der Besudelung durch den Beischlaf mit dem Bruder. Das verbreitete jene durch ihr Gekeife beständig und überall. Manche behaupteten, es sei erlogen, andere aber machten der menschlichen Gebrechlichkeit Vorwürfe. Da gelangte das Gerücht zu den Ohren Salomons, des Bischofs von Konstanz. Wozu noch Worte? Beim Bischof stellt sich ein statt einer Buhlerin eine Braut Christi. Sie wird vielfacher Unzucht beschuldigt, die doch nicht einmal von einer einzigen befleckt wurde! Sie wird verleumdet, die Konkubine des Bruders zu sein, obwohl sie es doch war, die ihm zur Keuschheit riet! Die Behauptungen der Dirne werden von der Jungfrau bestritten, aber das Volk, das die Wahrheit nicht kennt, glaubte beiden in gleicher Weise. Der Bischof aber wollte dem Zweifel über sie ein Ende setzen und bestimmte einen Termin für sie, zu dem sie das hinsichtlich der Vorwürfe unsichere Volk durch ein Gottesurteil überzeugen sollte.

Handle nur voll Vertrauen, Wiborada, wenn du auch ʻjetzt eine kleine Weile Betrübnis dulden mußt in mancherlei Anfechtungen, damitʼ unser ʻGlaube um vieles kostbarer sei als durch Feuer geläutertes Goldʼ.

Denn jener ʻSohn eines Zimmermannsʼ, jener, der kein Prophet war, da ihn eine Dirne berührt hatte, der ʻeinen Dämon hatteʼ, der zahllose weitere Vorwürfe auf sich nahm, er wird sich auch deiner Schmach erbarmen. Durch dies mußte er in seine Herrlichkeit eintreten, und durch dies müssen auch wir zu Miterben derselben Herrlichkeit werden. Denn wenn ich vom Apostel höre, daß wir uns ʻauch der Trübsaleʼ rühmen sollen, dann sehe ich keinen Grund, daß du das Vertrauen verlierst, es sei denn, daß du ein wenig kleinmütig wirst, weil du bei deiner leichten Not jemandem, der selbst unter der Ohnmacht der Gesetze noch kämpfte, nicht gleichzukommen scheinst. Ich meine Susanna. Denn sie wurde von zwei Priestern verleumdet, denen als den Ältesten des Volkes Glauben geschenkt werden mußte; du aber von einer nichtswürdigen Magd, deren Worte vom Gericht erst geprüft werden müssen. Jene wurde unverzüglich zum Tode verurteilt; daß du aber irgendeiner Strafe unterworfen würdest, davon wird [nach deinem Gericht] niemand mehr sprechen. Aber sei nicht mehr ohne Vertrauen, als ob du von Gott verlassen wärest; denn es wird kommen der Tag, da du dich größer erweisen wirst als Susanna. Über diesen Tag dürfen wir jetzt noch nicht sprechen, sondern müssen vielmehr zu dem dir auferlegten Gericht zurückkehren.

Als nun aber an dem angekündigten Termin eine zahlreiche Menschenmenge vor dem Bischof zusammenströmte, erhärtete der allmächtige Gott für alle ohne den geringsten Zweifel so ihre Unschuld, daß die Leute vor unglaublicher Freude tanzten und ihm doppelt dankten, weil er in ihr die Unschuld bewahrt hatte und sie, als sie beschuldigt wurde, von dem Makel befreit hatte. Und als ihr vom Bischof eingeräumt wurde, sich zu wünschen, mit welcher Strafe die Verleumderin belegt werden sollte, antwortete sie: «Gott die Rache; er soll ihr vergelten».

z
i supr. lin. A.
a
dubietati eorum B C.
b
ex dubietanti corr. C.
c
seriem verborum cuiusdam adhuc sub ponunt B C.
d
ancilla C.
e
comprobanda C.
f
comprobavit – innocentiam omisit C.
g
discaltiauit C.