Mulier quędam Reginsinda
Bestrafte Arbeit am Fest der Heiligen
Eine Frau namens Reginsind litt fortwährend an Kopfschmerzen. Als diese von den Wundern der heiligen Jungfrau erfuhr, wie sie mit Beistand der Gnade Gottes Kranke heilte, besuchte sie am Jahrtag ihres Todes das Grab und verpflichtete sich dort unter Weinen, demütigem und inständigem Gebet zu dem Gelöbnis, daß sie, solange sie lebe, ihren Todestag feierlich begehen wolle, wenn sie durch sie Linderung erlange. Nachdem sie ein wenig eingeschlafen war, ließ die Krankheit nach, und sie kehrte geheilt zurück. Als wieder am Jahrtag des Todes ihr Geburtstag bevorstand, hatte sie, als es schon Abend wurde, noch eine Leinwand aufgezogen, die schon fast fertig gewoben war. Eingedenk ihres Versprechens des vorangegangenen Jahres sprach sie in ihrem Herzen: «Ich sehe schon das Ende meiner Arbeit, schnell will ich fertigmachen und dann den Tag meiner Herrin festlich begehen, wie ich es im Gelübde versprochen habe.» Und sogleich stachen sie die Kopfschmerzen, die ihr von früher sehr bekannt waren, sie fiel nieder und suchte wegen ihrer Krankheit gezwungenermaßen wieder das fast schon vergessene Lager auf und wurde von großen Schmerzen gepeinigt. Endlich bedachte sie die Strafe für ihr Vergehen, ging abermals zum Grab und bekannte dort laut ihre Schuld, und daß sie das Gelübde des vergangenen Jahres gebrochen hatte, häufte neue Gelübde und Bitten auf die alten, versprach unter Tränen jegliche Wiedergutmachung ihrer Schuld und schlief ein. Da erschien es ihr, als ob jemand käme und eine große Holzlast in der Art eines Balkens über ihr Haupt warf. Da erwachte sie, das Kopfleiden war gestillt und unter Danksagungen an Gott und die heilige Jungfrau suchte sie wieder voll Freude ihre Wohnung auf.
- c
- vald A.↩
- d
- moxque A.↩