VIII (7)

De cętero parentes dum adhuc ambo uiuerent · nemo reuerentius coluit · nemo sanctius honorauit · nemo erga suos diuinę praecepta legis deuotius adimpleuit · Post patris uero obitum · matrem iam senio grauem · laboribus fatigatam · orbitatis luctu anxiam · frequenti languore confectam · quanta caritatis benignitate coluerit · quam reuerenti modestia honorauerit · quam indefessa diligentia usque ad finem uitę eius procurauerit · facile dici non potest · Sed quid in describenda eius erga parentes humanitate · quod cunctis pene naturę iura seruantibus commune uidetur esse diutius immoremur? Cum indigentibus quibusque tam notis quam incognitis · tam indigenis quam extraneis tanta consueueratl dignitate ministrare · ut etiam talia libenter credentium possit excedere fidem · adeo ut egrotos quosque ac debiles quasi dominum suscipiens exultaret · quos ei germanus suus praedictus nunc humeris suis · nunc iumento impositos prout se quisque ei iter agenti ingereret deferre consueuerat · quos a nulla familię suę persona tractari perpessa est · cf. Venantius Fortunatus, Vita S. Radegundis c. 4 et 17; cf. Dn 1,12sed ipsa per se eis et alimenta praebuit · et fomenta exhibuit · balnea ministrauit · lectisternia disposuit · ipsa eos et reclinauit · et competenti tempore eleuauit ·

Liebe zu den alten Eltern; Sorge für die Kranken

Als ihre Eltern beide noch lebten, pflegte sie niemand ehrerbietiger, ehrte sie niemand heiliger, erfüllte keiner gegenüber den Seinen frömmer die Gesetzesvorschriften Gottes. Nach dem Tod des Vaters aber hat sie die vom Alter beschwerte, von Mühsal ermüdete, in Trauer über die Einsamkeit geängstigte, von häufiger Krankheit geschwächte Mutter mit so liebevoller Güte gepflegt, mit so respektvoller Bescheidenheit geehrt und so unermüdeter Sorgfalt bis ans Ende ihres Lebens versorgt, wie kaum zu sagen ist. Aber was verweilen wir bei der Beschreibung ihres Mitgefühls mit den Eltern, das fast allen gemein zu sein scheint, die die Rechte der Natur wahren? Da sie doch allen Notleidenden, den bekannten wie unbekannten, einheimischen wie fremden immer mit solcher Würde diente, daß dies auch bei denen, die solches gern glauben, unglaubwürdig erscheinen könnte, nämlich so, daß sie alle Kranken und Schwachen jubelnd wie den Herrn selbst aufnahm, die ihr vorgenannter Bruder einmal auf den Schultern, dann wieder auf dem Reittier zu bringen pflegte, wie er sie auf seinem Wege antraf. Keiner aus dem Hausstand durfte sie behandeln, sondern sie selbst brachte Nahrung und Verband für die Wunden, bereitete Bad und Bett, legte sie selbst schlafen und erhob sie wieder zur rechten Zeit.

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consueverit Boll.