VI

PER ID TEMPORIS ęgrotabat beata rachilda · atque tanta detinebatur infirmitate · quod poene tres continuas noctes diesque quasi exanimis iacuit · Tertia uero nocte circa pullorum cantum · paulolum resumpto spiritu · coepit implorare martyris auxilium · Exaudiuit ergo mater spiritualis uocem filię laborantis · atque cum magno iubare cęlestis luminis adueniens · suauissimique odoris fraglantia · caput suum capiti iacentis acclinat · Boethius, Consolatio Philosophiae I pr. 2manumque lenip. 524ter pectori eius admouit · atque sic aliquantisper moras nectit · Post breue uero cum ipso iubare uisibus humanis sublata est · permanente inibi usque ad lucem odoris fraglantia · Sicque matre ueniente fugit languor a filia · hacque recedente · rediit sanitas pristina ·

Um diese Zeit erkrankte die selige Rachild und wurde von solcher Schwäche erfaßt, daß sie beinahe drei Tage und Nächte hindurch geradezu bewußtlos dalag. In der dritten Nacht aber erlangte sie um die Zeit des Hahnenschreis wieder ein wenig das Bewußtsein und begann die Hilfe der Martyrin zu erflehen. Die geistige Mutter nun erhörte die Stimme ihrer Tochter in der Not und erschien mit hellen Strahlen eines himmlischen Lichts und dem Duft eines süßen Wohlgeruchs und lehnte ihr Haupt an das der Darniederliegenden, ʻlegte ihre Hand leicht auf ihre Brustʼ und verharrte so eine Weile. Nach kurzer Zeit aber wurde sie zusammen mit dem Licht den menschlichen Blicken entzogen, doch der Duft von Wohlgeruch hielt sich bis zum Morgen. So wich die Schwäche von der Tochter, als die Mutter kam, und als sie ging, kehrte die alte Gesundheit zurück.