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Isdemr diebus post passionem sanctę wiboradę sicuti paulo ante enarrauimus beata rachilda magna corporis infirmitates detenta omnium membrorum uiribus destituta iacebat nihil gustans praeter si sacrosancti corporis et sanguinis domini uiuificamine sit recreata · hacque infirmitate diu perdurante · contigit ut tribus continuis diebus ita immobilis et desperata iaceret · ut hi qui excubiis interfuerant mortua esset an uiueret penitus nescirentt · Quibus etiam ante fenestram ędicule interfuit uenerabilis magister et monachus notkerus u medicus · Illa etiam fidelis ministra ambarum quondam uirginum in angulo ipsius cellulę paruo lectuli stramine ob cautelam custodięv sanctę uirginis quiescebat · Tandem sancta uirgo quę desperata iacebat · tercia nocte circa pullorum cantum paululum resumpto spiritu aiebat · Cara mater · si uoluntas dei sitw aliquod iuuamen tui medicaminisx magna infirmitate mihiy laboranti praestare digneris · Nec mora ilico diuina affuit miseratio · Ipsa namque custode uigilante et aspiciente · sancta ac beata et gloriosa martyr cum magna luminis claritate et suauissimi odoris dulcedinez apparuit · et caput suum capiti infirmantis reclinans · salubri etiam tactu manus ut ei uisum est diu inibi morata substitit · At ministra fidelis tremefacta hęc cernens · ait intra se · Ct 4,1; 6,3 Quam pulchra et decora splendes domina mea · Moxque cum ipsa luminis apparitione uisibus humanis sublata · martyr gloriosa recessit · suauissimi odoris dulcedine ad lucem inibi usque perdurante · Sancta etiam uirgo post discessum pię matris infirmitate recedente · resumptis uiribus conualuit ·

Erscheinung vor der Rekluse Rachild

In den Tagen nach der Leidenszeit der heiligen Wiborada lag, wie wir schon ein wenig früher erzählt haben, die selige Rachild schwer krank und aller Kräfte ihres Körpers beraubt darnieder. Sie aß nichts, außer wenn ihr durch die Lebensspeise des hochheiligen Leibes und Blutes des Herrn aufgeholfen wurde. Während sie in dieser Krankheit lange Zeit aushielt, ereignete es sich, daß sie drei Tage ohne Unterbrechung so unbewegt und hoffnungslos dalag, daß diejenigen, die bei ihr wachten, überhaupt nicht mehr wußten, ob sie tot oder lebendig sei. Unter diesen befand sich vor dem Fenster des Häuschens auch der ehrwürdige Lehrer und Mönch, Notker der Arzt. Auch ruhte jene Magd, die vormals beiden Jungfrauen treu gedient hatte, in einer Ecke des Kämmerchens auf etwas Streu eines Bettes, um über die heilige Jungfrau zu wachen. Endlich sprach die heilige Jungfrau, die hoffnungslos darniederlag, in der dritten Nacht um den Hahnenschrei, nachdem sich ihr Atem wieder ein wenig gefestigt hatte: «Liebe Mutter, wenn es der Wille Gottes ist, dann würdige dich, mir, die ich schwer krank bin, irgendeine Hilfe durch deine Arznei zu bringen». Unverzüglich stellte sich die göttliche Barmherzigkeit ein. Denn während die Wächterin wachte und schaute, erschien die heilige, selige und ruhmvolle Martyrin in großer Lichthelle und in der Lieblichkeit des süßesten Duftes, lehnte ihr Haupt an das der Kranken und verweilte mit einer heilsamen Berührung ihrer Hand, wie es ihr schien, daselbst lange Zeit. Die treue Dienerin aber zitterte, als sie dies wahrnahm, und sagte zu sich: «Wie schön und anmutig leuchtest du, meine Herrin.» Dann entzog sich zugleich mit der Lichterscheinung die ruhmvolle Martyrin den menschlichen Blicken und ging wieder fort, während die Lieblichkeit des süßesten Duftes bis zum Morgengrauen blieb. Mit dem Weggang der gottgefälligen Mutter schwand auch die Krankheit, und die heilige Jungfrau kam wieder zu Kräften und genas.

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Eisdem Boll.
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infirmitatạe S.
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ignorarent A.
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nocerus A W; Nokerus Boll.
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deest A W Boll.
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deest A W Boll.
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tui medicaminis desunt A W Boll.
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deest A.
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suavitate A W Boll.